Wenn wir Essen riechen oder sehen, bekommen wir Hunger. Klar, das ist bekannt. Doch auch Sonnenlicht kann das Hungergefühl beeinflussen – zumindest bei Männern.

Die Sonne scheint und der Magen knurrt: Bei Männern verstärkt Sonnenlicht das Hungergefühl. Zu dieser Erkenntnis kommen Forschende der Uni Tel Aviv in einer neuen Studie.

Genauer gesagt sorgt die UV-B-Strahlung dafür, dass sie hungrig werden. Die ist dafür verantwortlich, dass der Körper ein bestimmtes Protein produziert, das einerseits Hautschäden repariert, die durch UV-Strahlung entstehen. Anderseits regt es auch Fettzellen an, das Stoffwechselhormon Ghrelin zu produzieren.

Geschlechtshormone machen Unterschied

Diesen Effekt haben die Forschenden besonders bei Männern festgestellt, bei Frauen nicht. Die Geschlechtshormone sollen der Grund für diesen Unterschied sein.

In den Versuchen sorgte Testosteron – das männliche Geschlechtshormon – dafür, dass mehr von dem Stoffwechselhormon freigesetzt wurde. Östrogen – das weibliche Geschlechtshormon – hemmte hingegen die Bildung von Ghrelin in der Haut, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn. Frauen produzieren zwar auch das Protein, das Hautschäden repariert und auch das Stoffwechselhormon. Letzteres gleicht das Östrogen aber quasi wieder aus.

"Frauen haben bei UV-Strahlung nicht mehr Hunger, Männer aber schon."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Für ihre Studie haben sich die Forschenden mehrere Daten angesehen. Den Anfang hat ein Datensatz von etwa 3000 Menschen aus Israel gemacht. Anhand dieser Daten konnten die Forschenden erkennen, dass Männer während Jahreszeiten mit mehr Sonnenlicht durchschnittlich 300 Kalorien pro Tag mehr zu sich genommen haben als im Winter. Bei Frauen gab es diesen Unterschied nicht.

Zusätzlich haben sie mehrere Versuche mit Freiwilligen gemacht, die sich in die Sonne setzen sollten und im Anschluss ihr Blut untersucht. Und auch Versuche mit Mäusen haben den Unterschied auf den männlichen und weiblichen Körper bestätigt.

Neue Erkenntnis: Haut und Hunger

Dass die Haut in Verbindung mit Hunger steht, ist laut den Forschenden eine neue Erkenntnis. Sie möchten jetzt mehr über das Stoffwechselhormon herausfinden. Bisher ist darüber bekannt, dass es auch beim Lernen hilft und Angst lösen kann.

Für die Forschenden stellt sich jetzt die Frage, inwiefern das Hormon auch bei Appetitlosigkeit zum Beispiel als Folge einer Chemotherapie helfen könnte. Denkbar wäre hier, dass krebskranke Menschen mit einer Lichttherapie wieder mehr Hunger empfinden.

Grundsätzlich ist der Einfluss von Sonne auf der Haut allerdings ein Aspekt von vielen, der das Hungergefühl steuern kann. Die Höhe unseres Blutzuckerspiegels oder der Geruch von Essen können unseren Hunger auch beeinflussen.