Die Klimakrise, die Corona-Pandemie und jetzt auch der Krieg gegen die Ukraine sorgen für eine dramatische Nahrungsmittelknappheit. Über 800 Millionen Menschen weltweit müssen gerade hungern. Die Deutsche Welthungerhilfe sieht die Welt auf eine ähnliche Hungerkrise zusteuern wie zuletzt 2007.

Chronischer Hunger ist die Art von Hunger, die es weltweit am häufigsten gibt. Es ist ein Zustand dauerhafter Unterernährung: Der Körper bekommt weniger Essen, als er braucht. Menschen, die chronisch hungern, sind oft auch von akutem Hunger betroffen.

Hungerkrise wie 2007/2008

Aktuell ist die Situation hinsichtlich des Hungers auf der Welt dramatisch, sagt Lisa Hücking von der Deutschen Welthungerhilfe. "Wir befürchten eine ähnliche Hungerkrise wie nach der Nahrungsmittelpreiskrise von 2007 - 2008, wonach die Hungerzahl damals auf über eine Milliarde stieg."

Auf einer Konferenz der Vereinten Nationen (UN) haben verschiedene Ministerpräsident*innen, darunter auch Außenministerin Annalena Baerbock, gemeinsam Strategien besprochen, um den weltweiten Hunger zu bekämpfen. Von Deutschland kommen dafür vier Milliarden Euro. Damit sollen zum Beispiel Nahrungsmittel aus der Ukraine exportiert werden, die wegen des Krieges im Land hängen bleiben.

Über 800 Millionen Menschen hungern

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Nahrungsmittelkrise, die der Klimawandel und zuletzt auch die Corona-Pandemie befeuert haben, noch mal verschärft. Bis 2014 sind die Zahlen der von Hunger betroffenen Menschen konstant gesunken, erklärt Lisa Hücking. Und seitdem steigen sie wieder. Im Jahr 2021 – ein Jahr nach Beginn der Pandemie – auf dramatische Weise, sodass die Organisation gerade von 811 Millionen Menschen ausgeht, die als von Hunger betroffen gelten.

"Es ist ein chronisches Problem, auf das sich jetzt noch weitere Krisenprobleme drauf stapeln."
Lisa Hücking, Deutsche Welthungerhilfe

Zumal die jetzt versprochenen Hilfen nicht für eine dauerhafte Bekämpfung des chronischen Hungers ausgelegt sind, sondern besonders der akuten Krise entgegenwirken sollen. Neben Geldern sieht die Welthungerhilfe daher einen Wandel im Ernährungssystem hin zu mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit als entscheidend an. Das könne vermeiden, dass es immer wieder zu Hungerkrisen komme.

Zusätzlich seien langfristig ausgelegte Finanzierungsmechanismen für eine weltweite Ernährungssicherheit notwendig. Auch Partnerschaften mit betroffenen Ländern, die die Bauer*innen vor Ort unterstützen, brauche es.

"Wir müssen neben dieser akuten Hungerkrise, die wir jetzt haben, auch eine Transformation hin zu einem wirklich gerechten und nachhaltigen Ernährungssystem vorantreiben. Damit wir nicht regelmäßig wieder dieselbe Situation haben."
Lisa Hücking, Deutsche Welthungerhilfe
  • Moderator:  Paulus Müller
  • Gesprächspartnerin:  Lisa Hücking, Deutsche Welthungerhilfe