In Ostafrika herrscht eine Hungernot von katastrophalem Ausmaß. Geschätzt über fünf Millionen Menschen benötigen Hilfe, um nicht zu Verhungern. Mit Stephanie Glinski sprechen wir über ihre Arbeit im Südsudan, ob es hilft zu spenden und wie viel von unseren Spenden tatsächlich bei den Hungernden ankommt.

In Somalia, Kenia Äthiopien und im Südsudan hungern und verhungern Menschen. Im Südsudan arbeitet Stephanie Glinski für World Vision. Mit ihren Kollegen zusammen organisiert sie, dass Lebensmittelspenden bei den Menschen dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden. 

Der logistische und organisatorische Aufwand ist sehr groß und kostet viel Geld. Von jedem gespendeten Euro kommen 85 Cent bei den Hunger leidenden Menschen an, sagt Stefanie. World Vision und das Welternährungsprogramm treffen viele Vorkehrungen, damit die Spenden nicht illegal abgezweigt werden. 

"Was wir momentan hier sehen, ist das Schlimmste - unsere schlimmsten Ängste werden gerade wahr. Und es eskaliert alles vollkommen. Viele Kinder sind bereits verhungert."
Stefanie Glinski, World Vision

Rund fünf Millionen Menschen sind von der schweren Hungernot betroffen. 270.000 Kinder leben im Zustand der kritischen Unterernährung, sagt die Entwicklungshelferin. Diese Kinder sind akut davon bedroht, an Hunger zu sterben. 

"Die Leute, die keine Hilfslieferung bekommen, haben mir erzählt, dass sie Blätter von den Bäumen pflücken und diese essen. Das ist nicht besonders nährreich, aber das ist alles, was die Menschen haben."
Stephanie Glinski, World Vision

Drei Faktoren tragen besonders zum katastrophalen Ausmaß der Hungersnot im Südsudan bei: der politische Konflikt im Land, die aktuelle Dürre und die akute Wirtschaftskrise. Die Inflationen ist in der letzten Monaten um 800 Prozent gestiegen. Die Lebensmittel, die es in den wenigen Supermärkten gibt, werden beispielsweise aus Dubai importiert. Selbst die Entwicklungshelfer finden sie so teuer, dass sie sich selbst Nahrungsmittel aus dem Ausland mitbringen.

Kinder im Stillalter haben gar nichts

Die Hilfslieferung, die World Vision gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm verteilt, besteht aus Hirse und Bohnensäcken, die pro Familie für einen Monat reichen soll. Hirse und Bohnen sind die Grundlebensmitteln, von denen sich die Menschen im Südsudan üblicherweise ernähren. 

"In den Kliniken wird entschieden, wer für Lebensmittelspenden infrage kommt: Das sind meistens junge Mütter, schwangere Frauen und Familien, die sehr unterernährte Kinder haben."
Stephanie Glinski, World Vision

Durch politische Konflikte, die den Südsudan beherrschen, wird die Arbeit der Entwicklungshelfer stark erschwert. Zudem müssen sich vor Überfällen auf Lebensmittel-Konvois schützen und sind durch Ausgangssperren eingeschränkt.