Ein Schachspiel mit echten Menschen als Figuren, die am Ende sterben. Das ist eine Szene aus der Serie "Hunters", die in Auschwitz spielt. Auschwitz war grausam, sagt das Auschwitz Museum - aber so etwas hat es nicht gegeben. Das Erfinden solcher Szenen sei ein Problem.

Der Streamingdienstleister Amazon Prime bewirbt gerade die Serie "Hunters", die in den 70er-Jahren in den USA spielt. In der Serie bekämpfen sich Nazis, die Juden ermorden, und eine geheime Rache-Truppe, die "Hunters", die wiederum die Nazis jagen und töten.

"Die Serie geht ein bisschen in die Trash-Richtung á la Quentin Tarantino. Ein Fiction-Genre, das vielleicht nicht jedermanns Sache ist", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist in ihrer Bewertung eindeutig: "Jahrzehnte an Aufarbeitung des Faschismus werden der Unterhaltung willen schmutziger Gewaltpornografie geopfert. Was uns Amazon präsentiert, ist eine Zumutung."

"Wir ehren die Opfer, indem wir die Faktentreue bewahren."
Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau

Was Oliver Jungen von der FAZ allgemein beschreibt, lässt sich an einem Beispiel festmachen, für das die Macher der Serie gerade kritisiert werden:

In der Serie ist eine Szene zu sehen, die in einem Konzentrationslager spielt. Gezeigt werden KZ-Häftlinge auf einem in den Rasen gemähten Schachbrett, die einen weiß, die anderen schwarz angezogen. Jedes Mal, wenn im Spiel eine Figur geschlagen wird, wird der entsprechende Häftling getötet.

Die Schach-Spieler sind ebenfalls Gefangene, die im Spiel also darüber entscheiden müssen, welcher Mit-Häftling in Realität ermordet wird. "Da reicht ein Screenshot um sagen zu können: Das ist eine sehr verstörende Szene", sagt Michael.

Das Problem: Eine solche Szene hat es in Realität selbst im überaus grausamen KZ-Alltag nie gegeben.

Bestätigung für Holocaust-Leugner

Das Auschwitz-Museum fürchtet, eine solche erfundene Szene können für Holocaust-Leugner eine Art Bestätigung sein: Seht her - wenn es das nicht gegeben hat, dann gab es andere Sachen auch nicht! Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau twittert: "Wir ehren die Opfer, indem wir die Faktentreue bewahren."

Immerhin: Die Macher der Serie Hunters haben sonst recht sorgfältig darauf geachtet, fiktionale Umsetzung und historische Fakten nicht zu vermischen. Auf den KZ-Häftlingen in der Serie sind zum Beispiel keine Nummer zu sehen, die einer historischen Person zuzuordnen wären.