Anfassen ist nicht - das ist die Devise im Augusta-Krankenhaus in Bochum. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern um den gefährlichen Krankenhauskeimen den Kampf anzusagen.

Ein ganz normaler Tag im Augusta-Krankenhaus in Bochum. Chefarzt Burkhard Ubrig macht seine Runde auf der Urlogischen Station. Im Minutentakt geht er von Zimmer zu Zimmer - nur eines verkneift er sich: Er gibt seinen Patienten nicht die Hand.

Dahinter steckt ein Plan, denn in Bochum gilt die No-Hand-Strategie. Das war nicht immer so. Früher gaben die Ärzte ihren Patienten die Hand und gingen dann zum Desinfizieren am Spender. Heute gilt die Devise: Sich nur auf Chemie zu verlassen reicht beim Kampf gegen Krankenhauskeime nicht aus. Der Grund: Eine sorgfältige Desinfektion dauert 30 Sekunden. Wer unter Stress steht, riskiert also schnell, ein wenig nachlässig zu werden.

"Wenn ich morgens meine Runde mache, sehe ich 40 bis 50 Patienten. Und wenn ich denen die alle mit der Hand begrüßen würde, könnte ich das gesamte Keimspektrum des Krankenhauses durchreichen".
Burkhard Ubrig, Chefarzt Urologie Augusta-Krankenhaus in Bochum

Die Konsequenz: Die Hand bleibt unten im Bochumer Krankenhaus. Und das gilt für alle 1600 Mitarbeiter. Auch wenn die Patienten das zunächst komisch fanden. Heute wird im Augusta-Krankenhaus gewunken und bewusster gelächelt. Ein Kardiologe ist besonders kreativ: Er formt mit seinen Händen ein Herz, um sich von seinen Patienten zu verabschieden.

Mit diesem strikten Verbot des Händeschüttelns ist Bochum ein Pionier in Deutschland. Und nicht alle Kliniken sind von dieser No-Touch-Strategie überzeugt. Es sei noch nicht wissenschaftlich belegt, dass der Verzicht auf Händeschütteln tatsächlich Infektionen verhindere. Außerdem sorgen sich einige Krankenhäuser noch um etwas anderes: den Verlust des Human Touch bei der Genesung der Patienten.