Netflix, Amazon Prime, Sky Ticket, Joyn, TV Now und bald auch noch Disney plus und Apple TV+ - immer mehr Streaming-Dienste bieten nur bestimmte Serien an. Für uns bedeutet das: Mehr Abos, mehr Geld. Das könnte illegales Streaming wieder beliebter machen.

"Kennst du schon diese neue Serie, hast du die andere schon geschaut?“ Ungefähr so laufen viele Party-, Pausen- und Alltagsgespräche ab. Die wichtige Anschlussfrage ist hier allerdings: Bei welchem Streaming-Dienst können wir die neuen Serie schauen? Und was machen wir, wenn diese Serie gerade nicht bei dem Anbieter verfügbar ist, bei dem wir ein Abo haben?

Das Problem mit der Videopiraterie

"Die Zahlen für Videopiraterie sind zurückgegangen", sagt Deutschlandfunk Nova-Reporterin Simone Schlosser. In Deutschland haben 2017 drei Prozent der Menschen illegale Streamingseiten genutzt. Heute sind es noch zwei Prozent. In den USA ist Videopiraterie um mehr als die Hälfte auf aktuell vier Prozent zurückgegangen

Dass derzeit nur wenige Menschen illegale Plattformen nutzen, liegt an den legalen Streaming-Anbietern. "Man kann also wirklich davon ausgehen, wenn es eine praktische, komfortable und halbwegs preisgünstige Alternative gibt, dass Menschen dann bereit sind, tatsächlich auch für Inhalte zu bezahlen“, sagt Torsten Zarges, Chefreporter beim Branchendienst DWDL.

"Man hat eigentlich in fast allen Märkten weltweit gemerkt, dass in dem Moment, wo Netflix und Co. kamen, das illegale Streaming und vor allen Dingen das illegale Downloads spürbar runter gingen."

Legale Streamingdienste sind ziemlich praktisch und komfortabel für uns. Das könnte sich allerdings bald ändern. Denn bald kommen neue Plattformen auf den Markt: Apple TV+ und Dinsey+ in diesem Jahr, HBO und Warner im nächsten Jahr. Dadurch wird der Streamingmarkt extrem unübersichtlich.

Streaming-Abos - unübersichtlich und teuer

Ein Netflix-Abo alleine reicht dann bald nicht mehr aus, wenn wir wirklich alles sehen möchten, was der Markt hergibt. Dann bräuchten wir nämlich eher vier oder fünf Abos. Und dann wird es teuer. Laut dem Marktforschungsinstitut Ampere Analysis könne das Interesse an Videopiraterie dann wieder zunehmen.

"Insofern könnte sich auch eine regionale Zersplitterung ergeben, dass piraterische Tendenzen hier in Europa schneller wieder zunehmen, als es im US-Markt der Fall sein wird."

Menschen in den USA sind es gewohnt, dass sie auch mal schnell 100 Dollar im Monat ausgeben für Pay TV und Streamingdienste. In Deutschland ist das noch nicht so verbreitet. "Für uns ist alles, was über ein oder zwei Abos hinausgeht, schon gefühlt teuer", sagt Torsten Zarges.

Bisher geben sich die Plattformen allerdings entspannt und unternehmen offiziell noch nichts dagegen. Eine Möglichkeit könnten allerdings teure Eigenproduktionen sein. Dadurch haben die Streaming-Dienste die Kontrolle über ihre Produktionen.

Eine andere Möglichkeit kommt aus der Musikindustrie. "Ein Grund, warum Musik-Piraterie eigentlich kein großes Thema mehr ist, ist, weil Musik so einfach verfügbar ist“, sagt Christian Peukert, Professor für Wirtschaftsinformatik. Dafür hat beispielsweise Spotify gesorgt.