Bundesinnenministerin Nancy Faeser rät zum Notvorrat. Doch keine Panik! Dazu sind weder eine große Vorratskammer noch Hamsterkäufe nötig. Schon mit wenigen, haltbaren Lebensmitteln können wir den Notvorrat für die empfohlenen 10 Tage decken.

Das ist kein Aufruf für Hamsterkäufe, dennoch empfiehlt Bundesinnenministerin Nancy Faeser für den Krisenfall – beispielsweise bei einem Cyberangriff auf die kritische Infrastruktur – bestimmte Notvorräte im Haus zu haben. Einen konkreten Anlass für ihre Empfehlung gibt es allerdings nicht.

Was sollen wir von dem Vorschlag der SPD-Politikerin halten? Und vor allem: Welche Vorräte sollten wir notfallmäßig immer im Haus haben? Einige Sicherheitsexpertinnen und -experten halten einen Sicherheitsvorrat für
sinnvoll und haben das auch schon vor dem Krieg gegen die Ukraine empfohlen.

Herbert Saurugg, Experte von Sicherheit und Infrastruktur in Europa, sagt, dass er sich beispielsweise mit einem europaweiten Strom- und Sicherheitsausfall beschäftige. "Ich schätze dieses Szenario für sehr realistisch ein", so der Experte. Auch Extremwetterereignisse könnten so ein Krisenfall sein, aber auch Cyber-Angriffe, die die Infrastruktur lahmlegen, oder Erdbeben, wie vor Kurzem in Italien.

Vorsorge für Notfälle wichtig

Wegen dieser Szenarien sei es wichtig, dass wir alle persönlich vorsorgen, damit wir ein paar Tage ohne Lebensmittelnachschub auskommen. Dazu gehöre allerdings kein Vorrat an 20 Litern Speiseöl, wie Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Sonntag deutlich macht.

"Wenn ein Teil des europäischen Verbundsystems in größerem Maße ausfällt, kann es zu einem Dominoeffekt kommen. Dieser Effekt könnte binnen Sekunden ganze Teile Europas mitreißen."
Herbert Saurugg, Experte von Sicherheit und Infrastruktur in Europa

Die Stromversorgung in Europa ist über ein europäisches Verbundsystem organisiert. Wenn es dort zu größeren Ausfällen komme, könnte das zu einer Kaskade führen, die wir uns nicht vorstellen könnten. Technisch sei sie jedoch möglich. Das Stromnetz reagiere sensibel auf Veränderungen. Daher dürfe es nicht aus dem Gleichgewicht kommen. In den vergangenen Jahren kam es zu solchen kritischen Fälle, in denen ein Blackout knapp verhindert werden konnte, berichtet Sebastian.

"Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine ist die Zahl von Cyber-Angriffen spürbar gestiegen – vor allem zwischen Russland und den USA."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Es gibt Organisationen, die darauf achten, dass das Stromnetz im Gleichgewicht bleibt – auch in Extremsituationen. Besonders geschützt: Das deutsche Stromnetz wegen der zentralen Lage in Europa. Es gilt als eines der sichersten der Welt.

Problem mit leeren Regalen nur während eines Stromausfalls

Bei einem längeren Stromausfall würden zuerst die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Supermärkten und ihren Lagern zusammenbrechen. Ohne Telefon und Internet würde die Logistik zusammenbrechen. Dieses Szenario würde dann zu leeren Supermarktregalen führen.

Was wir im Haus haben sollten

Ist der Stromausfall behoben, würden Supermarktregale auch schnell wieder aufgefüllt werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat eine Notfallliste mit den Lebensmitteln veröffentlicht, die das Überleben einer Person für zehn Tage sicherstellen könnte:

  • 3,5 Kilo Getreideprodukte,
  • Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis,
  • 4 Kilo Gemüse und Hülsenfrüchte sowie
  • 1,5 Kilo Fisch, Fleisch, Eier
  • und 0,35 Liter Öle oder Fette.

Demnach reicht zum kurzfristigen Überleben unter anderem weniger als eine halbe Flasche Speiseöl. Vorratskäufe, die man zum Teil gerade in Supermärkten beobachtet, sind also nicht notwendig. Sebastian erklärt, dass man selbstverständlich keinen frischen Fisch oder frisches Fleisch lagern sollte.

"Lieber Konserven kaufen, die lange halten. Und statt frischen Eiern kann man zum Beispiel Volleipulver verwenden. Außerdem ein bisschen H-Milch im Tetra-Pak, Knäckebrot und auch einen kleinen Vorrat Schokolade, Nüsse, Honig und Marmelade lagern. Mit diesem Survival-Pack kommt man auf 2.200 Kilokalorien pro Tag. Im Regelfall sollte das ausreichen", erklärt Sebastian.