2018 soll der NSU-Prozess zu Ende gehen, nach fünf Jahren. Mehmet Daimagüler vertritt einige der Opfer-Angehörigen. Sein Urteil zum Prozess ist erschütternd.

Man merkt Angela Merkel an, dass ihr diese Rede nicht leichtfällt: "Einige Angehörige standen Jahre selbst zu Unrecht unter Verdacht. Das ist besonders beklemmend", sagt sie. Die Worte kommen langsam, sind vorher sorgfältig zurechtgelegt. Jetzt nur keine Fehler machen. Die Aussprache der Opfer-Namen ist dennoch etwas holprig. Aber sie hat für die Angehörigen der NSU-Morde, die viel Unrecht erfahren haben, auch brückenbauende Nachrichten - bei einer Gedenkfeier für die Opfer 2012 bittet sie um Verzeihung und verspricht eine vollständige Aufklärung.

"Alle haben nach gleichen Regeln gehandelt. Wie Fische in einem Schwarm. Regel 1: Hinweise auf die tatsächlichen Täter werden ignoriert."
Mehmet Daimagüler, Anwalt der Nebenkläger

2013 beginnt der NSU-Prozess. Angeklagt sind neben Beate Zschäpe vier weitere Personen. Zschäpe wird unter anderem die Bildung einer terroristischen Vereinigung, zehnfacher Mord und versuchter Mord vorgeworfen - den anderen Angeklagten unter anderem Beihilfe zum Mord und die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. 

Jetzt steht das Urteil wohl kurz bevor, im Prozess laufen momentan die Plädoyers. Mehmet Daimagüler hat seines schon gehalten - nachlesen kann man es in seinem Buch "Empörung reicht nicht!". Er vertritt in der Nebenklage die Angehörigen der Mordopfer Abdurrahim Özudoğru und Ismail Yaşar.  

"Ich habe mich im Prozess gefragt, ob ich nur Komparse bin."
Mehmet Daimagüler, Anwalt der Nebenkläger

Fast am Ende seines Plädoyers hat Daimagüler auch Beate Zschäpe angesprochen. Direkt. Und ihr gesagt, dass seine Klienten ihr nicht verzeihen. Dafür wäre eine tätige Reue von Zschäpe notwendig, etwa in Form einer umfassenden Aussage. "Beate Zschäpe ist die Einzige, die auf etliche Fragen die Antworten geben kann", sagt Daimagüler.

In Eine Stunde Talk erzählt der Anwalt, warum der Staat sein Versprechen, die NSU-Morde aufzuklären aus seiner Sicht nicht gehalten hat, welche Rolle Polizei, Bundesanwaltschaft und Verfassungsschutz spielen, und was sein ganz persönliches Versagen war.

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