Als Reaktion auf einen Bienen-Boom fordern Experten einen "Imkerschein" – einen Führerschein fürs Bienenhalten. Denn für die richtige Pflege eines Bienenvolks sind Fachkenntnisse entscheidend.

Einer der Befürworter des Imkerscheins ist Cornelius Hemmer, Mitbegründer der Initiative "Deutschland summt". Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir müssen den Mut dazu aufbringen und notfalls in Kauf nehmen, die Hälfte der Hobbyimker zu verlieren. Das sind wir der Gesellschaft und den Bienen schuldig."

Imkern muss gelernt werden. Einen Imkerschein als verpflichtende Voraussetzung einzuführen, sei aber übertrieben – so Deutschlandfunk-Redakteur und Imker Georg Ehring.

Für gutes Imkern braucht man das richtige Wissen

Trotzdem kann es hilfreich sein, eine Qualifikation für Imkerinnen und Imker einzuführen: So wird der Fokus auf das Erlernen des richtigen Imkerei-Handwerks gelegt, sagt Georg Ehring. Denn trotz der guten Absichten sollte das nötige Wissen rund um die Pflege eines Bienenvolks nicht unterschätzt werden. Falls nicht nur ein freiwilliger sondern ein verpflichtender Bienenführerschein eingeführt wird, könnte das eine zu große Hürde für viele Leute sein.

"Das Gute an dem Vorstoß ist: Das Lernen in der Imkerei wird ernst genommen."
Georg Ehring, Dlf-Umweltredaktion

Allerdings ist es essenziell wichtig, sich mit dem Imkern genau auszukennen – gerade was potenzielle Krankheiten von Bienen angeht. Eine typische Krankheit ist zum Beispiel der Befall eines Bienenvolks durch die Varroamilbe: Die Varroamilbe taucht in jedem Bienenvolk auf. Eine gute Imkerin oder ein guter Imker muss erkennen, wann ein Bienenvolk von der Varroamilbe betroffen ist, sagt Georg Ehring.

"Es gibt viele Leute, die fangen mit dem Imkern an, weil sie in erster Linie Bienen retten möchten. Dann haben sie ein kleines Bienenvolk, das wächst und aus 10.000 Bienen werden 50.000 Bienen – das kann ziemlich schnell überfordern."
Georg Ehring, Dlf-Umweltredaktion

Die richtige Vorgehensweise zu beherrschen, ist hier der entscheidende Punkt: Ist ein Bienenvolk zum Beispiel von der Amerikanischen Faulbrut betroffen, muss die Imkerin oder der Imker einen Amtsveterinär über den Fall informieren. So kann der Amtsveterinär verfolgen, welche Bienen die Krankheit verbreitet haben könnten. Das Problem ist: Viele der Hobbyimkerinnen und Hobbyimker sind nicht bei den Behörden gemeldet, sagt Georg Ehring.

Imkern braucht Zeit

Eine Möglichkeit, mehr über das Imkern zu lernen, bietet ein Kurs bei einem Imkerverein. Hier lernen Interessierte eine Saison lang das Imkern in Theorie und Praxis. Wer möchte, kann im Anschluss sein erstes eigenes Bienenvolk betreuen. Alternativ kann man sich einen Imkerpaten suchen, mit dem man zusammen ein Bienenvolk betreut, meint Georg Ehring. Der Imkerpate hilft Anfängerinnen und Anfängern zum Beispiel, das Bienenvolk gut über den Winter zu bringen und unterstützt bei der ersten Honigernte.

Imkern ist sehr zeitintensiv. Laut Georg Ehring sollten sich Imkerinnen und Imker in der Sommerzeit pro Wochenende ungefähr zwei Stunden für die Pflege der Bienen nehmen. Während der Erntezeit kann auch ein ganzes Wochenende durch die Pflege wegfallen. Im Winter muss wiederum die nächste Saison vorbereitet werden.