Die erste Impfung ist drin, der Urlaub gebucht – und dann fällt euch ein: Mist – da war doch die zweite Impfung. Und jetzt? Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der unabhängigen Patientenberatung Deutschland sagt, aus medizinischer Sicht sei es kein Problem, die zweite Impfung etwas vorzuziehen.

Johannes Schenkel setzt sich für die Rechte von Patientinnen und Patienten ein. Er sagt, im Rahmen der Zulassungsvoraussetzungen der verschiedenen Impfstoffe sollte es möglich gemacht werden, den Termin zu verschieben.

"Wir müssen in den kommenden Wochen schauen, dass wir auch die Menschen erreichen, denen die Impfung nicht so wichtig oder sogar egal ist. Und dafür müssen alle Hürden beseitigt werden."
Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der unabhängigen Patientenberatung Deutschland

Ihm geht es dabei auch um folgenden Punkt: Die impfwillige Bevölkerung habe sich inzwischen weitgehend ihre Impftermine organisiert. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, fehlen jedoch noch etwa 10 bis 20 Prozent, so der Mediziner. Um das Ziel zu erreichen, sei es wichtig, Hindernisse – soweit wie möglich – zu beseitigen.

Ausreichend Schutz auch früher möglich

"Wir haben einen bestimmten Bereich, in dem die Impfabstände zulässig sind", sagt Johannes Schenkel. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat jedoch möglichst weite Abstände zwischen den Impfungen empfohlen.

Bei den mRNA-Impfstoffen wie Biontech und Moderna empfiehlt die Kommission einen Abstand von vier bis sechs Wochen. "Zugelassen sind die Präparate aber auch, wenn sie bereits nach drei Wochen geimpft werden. Das bietet auch einen ausreichenden Schutz", so Johannes Schenkel.

"Wenn das Ganze mit Urlaubsplänen kollidiert, dann sollte das entsprechend nach unten korrigiert werden."
Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der unabhängigen Patientenberatung Deutschland

Der Mediziner weist darauf hin, dass die Empfehlungen der Stiko durchaus sinnvoll sind, sie seien schließlich von führenden Experten in Deutschland zusammengestellt. Allerdings gehe es nun darum, auch Menschen zur Impfung zu bringen, die andere Prioritäten haben; denen ein Urlaub möglicherweise wichtiger sei als eine Impfung. "Und da sollten wir – im Rahmen der Zulassung – den Impfabstand nach unten hin verkürzen", sagt Johannes Schenkel.

Flexibilität auch bei der Ortswahl

Ein weiterer Punkt sei es zum Beispiel auch in Bezug auf die Impforte mehr Flexibilität anzubieten. Johannes Schenkel erlebt im Moment häufig Beschwerden, bei denen Menschen nicht verstehen, warum sie die erste Impfung nicht in einem Impfzentrum und die zweite Spritze dann zum Beispiel bei der Hausärztin bekommen können. "Das geht im Moment aus organisatorischen Gründen nicht", weiß Schenkel, "aber unseres Erachtens ist das eine völlig unnötige Hürde. Das sollte schnell geändert werden."

"Wir müssen bei der Impfung noch viel stärker in die Lebenswelten der Menschen reingehen."
Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der unabhängigen Patientenberatung Deutschland

Mit Blick auf Israel und die USA, wo die Impfungen schon viel weiter fortgeschritten sind, weiß Johannes Schenkel, dass es immer schwieriger werden wird, Impfwillige zu finden und Skeptiker zu überzeugen. Deswegen sei es auch etwa sinnvoll, Impfteams in Einkaufszentren zu schicken. Oder Menschen, die am Flughafen in einer Schlange warten, anzusprechen, ob sie nicht noch schnell geimpft werden möchten.