In Deutschland hat das Impfen gegen Covid-19 begonnen – und die Debatte, wer zuerst geimpft werden sollte, ist in vollem Gange. Denn: Noch gibt es nicht genügend Impfstoff für alle. Deutschland sitzt dabei noch nah an der Quelle. Doch für afrikanische Länder etwa sieht das anders aus. Die Menschen dort müssen wohl noch sehr viel länger auf eine Immunisierung warten.

Wir hier in Deutschland können uns freuen – endlich ist der Impfstoff da! Aber das Mittel ist eben nicht nur begehrt, sondern vor allem auch: knapp! Schon in den Ländern, wo das Impfen bereits begonnen hat, gibt es Debatten um eine gerechte und sinnvolle Verteilung.

Afrikanische Länder: Impfungen wohl erst in Jahren

Global gesehen ist das Problem allerdings noch viel gravierender: Bis auf Weiteres gehen viele, viele Menschen erst mal leer aus. Vor allem ärmere Länder werden wohl noch sehr viel länger auf Impfungen warten müssen - vor allem vermutlich afrikanische Länder.

"Schätzungen zufolge werden etwa zwei Drittel der Menschen auf der Welt noch bis zu drei Jahre auf eine Impfung warten – am längsten wohl Menschen in afrikanischen Ländern."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Das Duke Global Health Innovation Center in North Carolina, USA, geht davon aus, dass vor allem Menschen in afrikanischen Ländern am längsten auf eine Impfung warten müssen. Denn der Zugang zu Impfdosen hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel dem Standort der Herstellung.

Je näher an der Herstellung, desto schneller eine Impfung

Kann ein Land einen Impfstoff selbst entwickeln und herstellen, wirkt sich das naheliegenderweise auch auf die Menschen dort aus: Für sie stehen schneller Impfdosen bereit. In Deutschland ist das zum Beispiel der Fall: Sowohl das Impfstoff-Forschungsunternehmen Biontech als auch Curevac haben ihren Hauptsitz in Deutschland.

Auch Russland, China und Indien produzieren ihre eigenen Impfstoffe, erklärt Ann-Kathrin Horn von den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Und auch der Iran hat einen eigenen Impfstoff entwickelt - der befindet sich gerade noch in der Testphase.

"Ein sehr wichtiger Faktor ist, wie viele Impfdosen sich die Länder bei den Herstellern im Vorfeld vertraglich gesichert haben. Das hat Israel zum Beispiel sehr früh gemacht."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Eine Rolle spielt außerdem, wie viele Impfdosen sich ein Land bei den Herstellern gesichert hat. Solange es noch keine Zulassung oder die Aussicht darauf gab, dass der Impfstoff auch funktionieren würde, hielten sich viele Länder mit einer Bestellung erst einmal zurück, erklärt Ann-Kathrin Horn.

Israel zum Beispiel hat auf Risiko gesetzt und sofort sehr viele Impfdosen bei Pfizer bestellt. Deswegen gibt es dort im Verhältnis zu Deutschland schon jetzt sehr viel mehr Impfdosen. Außerdem zahlt Israel Pfizer auch mehr für den Impfstoff, nämlich 30 US-Dollar pro Dosis. Die EU dagegen nur ungefähr 18 US-Dollar.

Covax will für mehr Gerechtigkeit sorgen

Heißt: Wer mehr Geld hat, kommt schneller an Impfstoff. Den Ländern war schon vorher bewusst, dass es so laufen wird, so Ann-Kathrin Horn. Deswegen gab es einige Überlegungen, wie der Ablauf global gerechter gestaltet werden könnte.

Der Zusammenschluss Covax, mit initiiert von der Weltgesundheitsorganisation, kauft deswegen Impfstoffe ein und verteilt sie dann in ärmeren Ländern. Das Ziel: Bis Ende 2021 mindestens 20 Prozent der Bevölkerung dort zu versorgen.

"Die Verteilung insgesamt ist sehr unausgewogen: Staaten, die zusammen etwa 14 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, haben sich mehr als 50 Prozent der Impfstoffdosen, die in nächster Zeit hergestellt werden können, gesichert."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Die unfaire Verteilung sorgt für heftige Kritik, erzählt Ann-Kathrin Horn. Denn viele der reichen Länder haben sich sehr viel mehr Impfdosen gesichert als sie brauchen. In Kanada etwa kommen auf jeden Einwohner derzeit neun Impfdosen.

Keine Patente ohne ausreichend Impfstoffdosen

Südafrika und Indien schlagen deswegen schon länger vor, Patente auf Medikamente und Impfstoffe erst dann erteilen zu dürfen, wenn weltweit genug Menschen immun sind. Dann könnten Impfstoffe schneller und günstiger hergestellt werden.

Andere meinen: Ohne die reichen Länder hätte der Impfstoff gar nicht erst so schnell entwickelt werden können. Außerdem breitet sich das Virus in Nordamerika und Europa sehr viel schneller aus als beispielsweise in Afrika. Das ändert aber nichts an der ungerechten Verteilung, die vor allem auf der Zahlungskraft der Länder beruht, findet unsere Reporterin.