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In der Hausarztpraxis von Malik Böttcher in Berlin nimmt jede zehnte Person einen vereinbarten Termin nicht wahr und sagt auch nicht ab. Malik Böttcher hat sich daran gewöhnt und freut sich über die 90 Prozent, die kommen.

Der Hausarzt Malik Böttcher in Berlin sagt, dass am Anfang der Corona-Impfungen die Zuverlässigkeit der Menschen, die geimpft werden wollten, extrem hoch war. Jetzt hat sie nachgelassen.

Warum er trotzdem nichts von Bußgeldern hält und was mit den ganzen Astrazeneca-Impfdosen passieren wird, die er im Kühlschrank hat, hat er Deutschlandfunk-Nova-Moderator Thilo Jahn erzählt.

Thilo Jahn: Freuen Sie sich darüber, dass jetzt ausreichend Impfstoff da ist?

Malik Böttcher: Ja. Wir haben lange drauf gewartet, dass wir endlich so viel impfen können, wie wir wollen. Heute kommt die Lieferung der Biontech-Dosen. Leider kriegen wir kein Johnson&Johnson, das sehr begehrt ist bei vielen Reisenden. Aber immerhin können wir diese Woche bis zu 500 bis 600 Impfungen anbieten.

Gibt es bei Ihnen auch das Problem, dass manche Leute einfach nicht kommen?

Ja, das kennen wir schon immer in der Allgemeinmedizin, dass nicht alle Patienten, die Termine haben, tatsächlich kommen. Das sind wir also schon sehr lange gewohnt. Wir gehen davon aus, dass von 30 Leuten drei nicht kommen. Und so ist es jetzt beim Impfen auch.

Das war am Anfang aber nicht so. Da war jeder da, und wenn er nicht kam, dann hat er Bescheid gesagt. Das ist für uns jetzt neu, dass die Menschen auch einfach nicht kommen.

Aber sie haben meistens Gründe, warum sie nicht kommen. Momentan ist es immer noch schwer, einen Termin zu bekommen. Das heißt, man ist "überterminiert", hat in verschiedenen Praxen versucht, einen Termin zu bekommen und nimmt den ersten, der geht. Dafür haben wir Verständnis.

Aber am Ende kann der Lockdown ja nur weiter zurückgefahren werden, wenn möglichst viele geimpft sind.

Richtig. Wir wünschen uns auch mehr Zuverlässigkeit. Allerdings halten wir nichts davon, dass man da Strafen ausspricht oder den Menschen 30 Euro in Rechnung stellt. Ich glaube, das ist ein Duktus, der beim Impfen nichts zu suchen hat.

Wie kann man das denn positiver lösen als mit dieser mit der Strafe?


Das ist ein Perspektivwechsel. Nehmen Sie es doch mal so: 90 Prozent der Menschen kommen, das ist doch toll.

Aber es wäre natürlich netter, wenn die Gesellschaft mit ein bisschen mehr als 90 Prozent dann auch einen Alltag wieder hat. Oder?


Klar. Wir haben ja noch eine lange Strecke vor uns. Ich glaube aber, wir sollten jetzt nicht den Fehler machen, einen scharfen Ton zu entwickeln. Ich finde, wir sollten weiterhin werben, dass das Impfen ein schönes Event ist, dass die Leute gerne und fröhlich kommen. Von daher finde ich den Duktus mit dem erhobenen Zeigefinger nicht angepasst.

Die ständige Impfkommission empfiehlt nach der ersten Impfung im Astrazeneca eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff. Würfelt das Ihren Zeitplan durcheinander?

Bei uns herrscht ziemlich viel Trubel, auch weil die Impfkommission den Zeitplan verändert hat. Wir können jetzt schon nach vier Wochen nach der ersten Astra-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff impfen, nicht erst nach zwölf Wochen.

Manche Menschen sind auch irritiert, die schon zweimal mit Astrazeneca geimpft wurden. Die sagen: Moment mal, das kann ja wohl nicht sein, dass die anderen jetzt einen noch besseren Schutz haben als ich und die sich gerne eine dritte Impfung mit Biontech wünschen.

Von daher haben wir viel Aufklärungsarbeit zu leisten und Umterminierungen. Der Astra-Impfstoff, den wir noch haben, wird wahrscheinlich verworfen werden müssen, da die Nachfragen gen Null geht.