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Die Covid-19-Impfstoffe sollen möglichst schnell verfügbar sein – zugleich sollen sie aber auch sicher sein, mit wenig Nebenwirkungen. Das bedeutet für Hersteller und Behörden einen Spagat, bei dem aber gute Kompromisse gefunden werden können, erklärt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori.

Biontech und Pfizer, Sanofi, Johnson & Johnson: Die Liste der Pharmakonzerne, die Impfstoffe gegen Covid-19 anbieten werden, ist bereits beachtlich. Auch der britisch-schwedische Konzern AstraZeneca reiht sich nun ein und hat eine Wirksamkeit seines Mittels von 70 bis zu 90 Prozent verkündet. Für die Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori sind bei der Suche nach Impfstoffen gegen Covid-19 zwei Prüfkriterien entscheidend:

  • eine ausreichend großen Zahl von menschlichen Testpersonen
  • eine Prüfung der Studienergebnisse durch unabhängige Fachleute

Für die Zulassung in Europa sei die Prüfung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur zwingend, sagt die Wissenschaftsjournalistin.

Christina Sartori erklärt, dass für den Umfang der Tests statistische Erwägungen eine entscheidende Rolle spielen. Eine Testimpfung von beispielsweise tausend Menschen reiche nicht aus. Schließlich sollten auch Nebenwirkungen bemerkt werden, die selten auftreten – also auch bei nur einem von zehntausend Menschen. Für Christina Sartori ist das eine gut begründbare Untersuchungsgröße für einen Covid-19-Impfstoff. Schließlich sterbe an der Krankheit, abhängig von Alter und anderen Faktoren, etwa einer von hundert Erkrankten.

Nebenwirkungen – acht entscheidende Wochen

Wegen des akuten Zeitdrucks könne ein potentieller Impfstoff also nicht an 100.000 Menschen getestet werden – das dauere zu lange. Auch die Prüfung auf Nebenwirkungen unterliege diesem Zeitdruck. Es reiche bei einer Pandemie aus, findet Christina Sartori, rund zwei Monate abzuwarten. Für die Zulassung von Impfstoffen sei entscheidend, was innerhalb der ersten zwei Monate passiere.

"In der Regel treten Nebenwirkungen durch eine Impfung eher direkt danach oder in den ersten zwei, drei Wochen auf."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin, über Impfdatum und Nebenwirkungen

Auch hier sei der akute Zeitdruck in der Pandemie ein Dilemma: "Je länger man wartet und beobachtet, desto mehr Zeit vergeht und desto mehr Menschen sterben an Covid-19."

Dennoch, berichtet die Wissenschaftsjournalistin, würden zur Sicherheit alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie über zwei Jahre hinweg beobachtet. In Deutschland sei außerdem ein Impfregister geplant, um alle Geimpften nachverfolgen zu können, falls sich möglicherweise Nebenwirkungen noch mit Verzögerung zeigen.

RNA und DNA

Wahrscheinlich werden zunächst sogenannte mRNA-Impfstoffe verfügbar sein. RNA und die menschliche DNA sind strukturell und von ihren chemischen Eigenschaften her unterschiedlich.

Christina Sartori entkräftet die Sorge, dass die mRNA unser Erbgut verändern und zu Schäden führt. "RNA kann das menschliche Erbgut normalerweise nicht verändern", sagt sie. Zwar lasse sich RNA mittels spezifischer Enzyme in DNA umschreiben, diese Enzyme aber gehörten nicht zum Zellinventar.

"Unsere DNA, also unser Erbgut, ist ein Doppelstrang, zwei Stränge die sich gegenüberliegen und miteinander verbunden sind. RNA ist nur ein einzelner Strang – passt also nicht."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Grundsätzlich sei mRNA sehr instabil. Sie werde in menschlichen Zellen ziemlich schnell abgebaut. Auch die mRNA, die mit dem Impfstoff in unsere Zelle gelangt, bleibe nicht lange. Christina Sartori verweist darauf, dass deswegen mRNA-Impfstoffe stark gekühlt werden müssen, weil der Stoff als solcher so instabil ist.