Nach Schätzungen sind rund 60 Millionen Inder übergewichtig. Gleichzeit gelten immer noch rund 30 Prozent der Kinder als unterernährt. Indien hat ein doppeltes Gesundheitsproblem: übergewichtige Menschen und Unterernährung.

Unser DRadio-Wissen-Reporterin Sandra Petersmann in Indien mag die indische Küche. Leider sei das Essen sehr fett und süß. Wer von diesem reichhaltigen Essen zu viel isst und sich nicht ausreichend bewegt, wird schnell übergewichtig. Sandra versucht gegenzusteuern, isst viele Salat und bewegt sich so viel wie möglich. Allerdings sei Salat sehr teuer und schwer zu bekommen in Indien. Und Bewegung im Freien ist in Neu Delhi bei der hohen Luftverschmutzung nicht gerade gesund.

"Süßspeisen sind für meinen Geschmack unerträglich süß."
Sandra Petersmann, DRadio-Wissen-Reporterin

Die schwergewichtigen Inder kommen vor allem aus der konsumfreudigen Mittelschicht, die rund 300 Millionen Menschen umfasst. Großstadt-Inder sind besonders von Fettleibigkeit betroffen, da mehrere Faktoren wie Bewegungsmangel, fettes, zu salziges, zu süßes Essen, mangelndes Ernährungs- und Problembewusstsein bei ihnen zusammenkommen.

"Dass das Übergewicht auch die Gesundheit gefährdet, verstehen die meisten Inder nicht."
Sandra Petersmann, DRadio-Wissen-Reporterin

Essen ist immer noch ein Statussymbol. Damit zusammen, erklärt Sandra, hängt auch der steigende Fleischkonsum. Und zu Fuß gehen sei verpönt: Der Inder an sich ist faul, sagt Sandra. Reiche Inder lassen sich eher ihren Magen verkleinern, als dass sie ihren Lebensstil ändern wie Indiens Finanzminister Arun Jaitley oder seine Ministerkollegen Nitin Gadkari und Venkaiah Naidu.

"Diabetes kann auch eine Armutserkrankung sein."

Während früher Infektionskrankheiten stark verbreitet waren, haben die Menschen immer mehr mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes zu kämpfen. Davon sind allerdings auch arme Slum-Bewohner betroffen, die sich einseitig ernähren. "Diabetes kann auch eine Armutserkrankung sein", sagt Sandra. Der Staat unternimmt nichts gegen das Problem, Aufklärungskampagnen fehlen. Sandra spricht sogar von einer tickenden Zeitbombe im Hinblick auf die 51 Millionen Diabetiker im Land.

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