Bei den Präsidentschaftswahlen in Indonesien wird eine knappe Entscheidung erwartet - nach einem teilweise skurrilen Wahlkampf, in dem auch Himmlers SS-Uniform eine Rolle spielte.

190 Millionen Menschen in Indonesien konnten heute ihre Stimme abgeben: Gesucht wird ein neuer Präsident für das Land. Die Wahllokale sind seit 8 Uhr MESZ geschlossen, jetzt läuft die Auszählung. DRadio-Wissen-Reporter Panajotis Gavrilis hat sich mit der Präsidentschaftswahl beschäftigt: "Die Kandidaten könnten kaum unterschiedlicher sein", sagt er.

  • Joko Widodo wird von seinen Anhängern "Jokowi" genannt. Er ist Mitglied der PDI-P, der "Demokratischen Partei des Kampfes Indonesiens" und derzeit Gouverneur der Hauptstadt Jakarta.
  • Prabowo Subianto tritt für die Partei "Bewegung Groß-Indonesien" an. Der Militär ist der Ex-Schwiegersohn des früheren Diktators Suharto und war während der Diktatur auch selbst General. Im Wahlkampf bezeichnete er die Demokratie schon mal als "zu teuer".
"Viele Indonesier sehnen sich nach einem starken Anführer."
Panajotis Gavrilis, DRadio Wissen-Reporter

Die Folgen der Militärdiktatur

Während der Militärdiktatur in Indonesien waren ab 1966 hunderttausende Regierungskritiker und Kommunisten ermordet worden. Ein Großteil der damaligen Menschenrechtsverletzungen wurde nie aufgeklärt, und unklar ist bis heute auch, inwieweit Prabowo Subianto in diese Taten verwickelt war. "Er präsentiert sich gerne als starker Mann und tritt immer noch in Uniform auf", berichtet Panajotis Gavrilis.

Eine Strategie, die offenbar aufgeht: In aktuellen Umfragen kommt Prabowo Subianto auf 48 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent Joko Widodo auf 52 Prozent. Wikodo tritt als Reformer und Kämpfer gegen Korruption auf, er ist beliebt und gilt als Mann des Volkes. Schwer zu sagen, wer bei diesem engen Kopf-an-Kopf-Rennen am Ende Präsident wird - auf jeden Fall werden die jungen Wähler eine entscheidende Rolle spielen.

Himmlers SS-Uniform im Wahlkampf

Ein Drittel der indonesischen Wahlberechtigten ist unter 29 Jahren alt, und das machte sich auch in den vergangenen Wochen bemerkbar. "Beide Kandidaten haben kräftig die Social-Media-Werbetrommel gerührt", sagt Panajotis Gavrilis. Schließlich sind rund 70 Millionen Indonesier bei Facebook aktiv, 30 Millionen twittern. Ex-General Prabowo Subianto bekam dabei auch Unterstützung durch den Popsänger Ahmad Dhani.

Wahlwerbung mit Nazi-Symbolik

Der saß mal in der Jury von "Indonesian Idol", machte in den vergangenen Wochen aber vor allem durch ein skurriles, mit Nazi-Symbolik aufgeladenes Video von sich reden, das bei Youtube gepostet wurde und in dem er teilweise in einer nachempfundenen SS-Uniform von Heinrich Himmler vor der Kamera agiert. Unter dem Titel "Indonesien erwache!" und zu den Klängen von Queen's "We will rock you" ruft der Sänger darin zur Wahl von Prabowo Subianto auf. Der Wahlkampfstab des Ex-General verbreitete zwar eine öffentliche Distanzierung von diesem Video - doch das Kalkül, damit vor allem bei jungen Wählern Aufmerksamkeit zu bekommen, dürfte trotzdem aufgegangen sein.

Das amtliche Endergebnis der indonesischen Präsidentenwahl wird in zwei Wochen erwartet.