Ob wir von Viren oder Bakterien gequält werden, ist für Ärzte auf den ersten Blick nicht immer einwandfrei festzustellen. Ein Bluttest soll in Zukunft helfen, die unnötige Vergabe von Antibiotika zu vermeiden. Die helfen nämlich nicht bei viralen Infekten.

Seit längerem wächst die Anzahl der Keime, die gleich gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Grund dafür ist ein übermäßiger und unnötiger Einsatz der Antibiotika in der Tierzucht und bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Forscher aus Stanford entwickeln zurzeit einen Bluttest, der Ärzten innerhalb von einer Stunde anzeigen soll, ob ein Patient von Viren oder Bakterien befallen wurde. Bisher müssen dafür Bakterienkulturen angelegt oder die Antikörper im Blut überprüft werden, und dass kann einige Tage dauern. In manchen Fällen können Ärzte aber nicht so lange warten und geben auf Verdacht Antibiotika.

Reserveantibiotika stehen vor dem Aus

Jedes Jahr sterben weltweit geschätzt 700.000 Menschen durch multiresistente Keime, und selbst so genannte Reserveantibiotika werden immer öfter nutzlos. Bakterieninfektionen von denen zu unterscheiden, die durch Viren verursacht werden, ist relativ schwierig, weil viele Krankheiten sehr ähnliche Symptome, wie zum Beispiel Fieber, aufweisen. Das kann Anzeichen einer viralen Grippe sein, muss es aber nicht.

Und in manchen Fällen ebnet eine Viruserkrankung den Weg für eine Bakterieninfektion, die den Körper dann noch zusätzlich befällt, wenn er schon geschwächt ist. Zum Beispiel erst eine Virus-Grippe und danach kommt noch eine bakterielle Lungenentzündung obendrauf. Und als wäre das noch nicht kompliziert genug, können wir uns auch krank fühlen und überhaupt keinen Infekt haben.

Schnell und billig muss ein Test sein

In solchen Fällen, wäre ein zuverlässiger Schnelltest ein Segen für Ärzte und Patienten. Der Test soll die Aktivität von sieben spezifischen Genen messen, die in den Abwehrzellen in unserem Blut bei einem Infekt aktiv werden. Abhängig davon, ob ein viraler oder bakterieller Infekt vorliegt, entsteht ein anderes Aktivitätsmuster dieser Gene und zeigt an, ob der Einsatz von Antibiotika angebracht ist oder nicht.

Vor der Serienreife stehen aber noch jahrelange klinische Untersuchungen, die zeigen müssen, dass der Schnelltest die Genaktivitäten unterscheiden kann. Aber ob der Test später tatsächlich klappt, ist das eine. Am Ende muss er auch noch billiger sein, als die auf dem Markt befindlichen Antibiotika, damit Ärzte nicht doch leichtfertig einfach ein Rezept ausstellen.