Forscher untersuchen die abgelieferte Leistung männlicher und weiblicher Programmierer. Das Ergebnis: Die Frauen schneiden ein bisschen besser ab.

Programmiererinnen arbeiten besser als Programmierer.

OK, die Aussage stimmt so pauschal natürlich nicht - aber eine interessante Untersuchung liefert Hinweise darauf, dass es tatsächlich Unterschiede gibt in der Programmierleistung von Frauen und Männern. Oder zumindest in der Bewertung der Leistung.

Forscher der California Polytechnic State University und der North Carolina State University haben die Plattform GitHub untersucht, die zur Open-Source-Community gehört. Open-Source-Software sind Programme mit offenem Quellcode. Sie werden also von einer ganzen Community geschrieben. Der Browser Firefox, das Office-Programm Open Office und viele andere Programme sind so entstanden.

"Das bringt das Projekt weiter"

Wenn ein Programmierer oder eine Programmiererin ein Stückchen neuen Programmcode zu einer Software geschrieben hat, dann kann sie oder er das auf der Plattform GitHub hochladen und einen sogenannten "Pull request" einstellen - das ist so etwas wie die Aufforderung: "Schaut euch das mal an. Ich glaube, das bringt das Projekt weiter."

Bewerten die federführenden Entwickler(innen) den Code als gut, bauen sie ihn ein. Das wiederum ist für die Forscher eine gute Basis um Qualität von eingereichtem Quellcode zu analysieren. Sie gehen davon aus: Pull requests, die angenommen werden, sind qualitativ hochwertig.

Weiterhin praktisch für die Untersuchung: Von manchen GitHub-Nutzern ist das Geschlecht bekannt. Von anderen wiederum kennt man eine E-Mail-Adresse, mithilfe derer zum Beispiel über einen Google-Account das Geschlecht ermittelt werden kann.

Greift der Überlebenseffekt?

Die Forscher haben so 1,4 Millionen GitHub-Zuträger identifiziert und ihre Performance analysiert. Das Ergebnis: Die Pull requests von den Frauen haben eine etwas höhere Erfolgsrate, werden also im Durchschnitt häufiger für gut befunden.

Eine mögliche Erklärung für dieses Ergebnis könnte laut den Studienautoren sein, dass Frauen möglicherweise selbstkritischer sind und ihr eingereichter Code also besser fundiert. Oder es könnte einen "survivorship bias", einen "Überlebenseffekt" geben: Dadurch, dass Programmiererinnen im Studium und Beruf selten sind und sich auch unter dem Druck von Vorurteilen bewähren müssen, bleiben nur die fachlich besten überhaupt dabei.