Rund jede vierte Autobahn- und Bundesstraßenbrücke ist modernisierungsbedürftig. Bei der Prüfung könnte in Zukunft vielleicht ein Roboter aus Norwegen helfen.

Etwa ein Viertel der rund 40.000 Autobrücken in Deutschland muss modernisiert werden. Diese Zählung berücksichtigt Autobahn- und Bundesstraßenbrücken. Bei rund 4000 Brücken ist der Sanierungsbedarf eher dringend, das hat das das Bundesverkehrsministerium zusammen mit Fachleuten ermittelt. Sie haben gerade einen Brückengipfel abgehalten. Die Brücken sollen in den kommenden zehn Jahren saniert werden sollen.

Einen größeren Bedarf hätten die Autoverkehrswege im Westen, besonders in Nordrhein-Westfalen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Dominik Peters.

"Grundsätzlich ist das eher ein westdeutsches Problem, weil im Osten viel in Brücken investiert wurde. Sorgenkind ist NRW wegen der hohen Verkehrsdichte, viel Industrie und schwerem Lkw-Verkehr."
Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Viele der Brücken sind in den 1960er- oder 1970er- Jahren gebaut worden. "Damals war viel weniger Verkehr in Deutschland unterwegs, und die Fahrzeuge waren auch noch nicht so schwer", sagt Dominik.

Umfangreiche Schadenserfassung

Dementsprechend seien die Brücken nicht auf die heutige Verkehrslast ausgelegt. An vielen Brücken zeigen sich Risse im Beton, und auch Stahlkonstruktionen offenbaren Schwächen.

Im Sommer 2021 ist die Salzbachtalbrücke in Wiesbaden fast eingestürzt. Diese Brücke wurde inzwischen gesprengt. Es gelte nun die Brückenschäden zu erfassen und ihre Folgen einzuschätzen. Das ist in Deutschland nach der Industrienorm 1076 geregelt.

Sie umfasst:

  • jährlich grobe Kontrollen auf ganz offensichtliche Mängel
  • alle drei Jahre eine intensive, erweiterte Sichtprüfung
  • alle sechs Jahre noch eine große Hauptprüfung

Handnahe Prüfung ist Pflicht

Bei einer Hauptprüfung untersuchen Prüfingenieurinnen und –ingenieure die Brücke komplett – auch die schwer zugänglichen Teile. Die Norm erfordert eine handnahe Prüfung. Beispielsweise müssen Schachtabdeckungen geöffnet und verschmutze Teile gereinigt werden. So sollen möglich alle Schäden – Risse zum Beispiel – sichtbar werden.

"Die Prüfung läuft in großen Teilen mit einem speziellen Hammer. Da klopfen die Ingenieur*innen den Beton ab und können hören, ob es im Beton Schäden gibt."
Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Vieles wird auch heute noch mit dem Hammer gecheckt. Ein neueres Mitglied des Prüfteams ist der Insight Crawler – zumindest theoretisch. Der Roboter soll die Überprüfung von Brücken verbessern und erleichtern.

So lassen sich unzugängliche Bereiche von Brücken ferngesteuert in Augenschein nehmen. Entwickelt hat ihn die norwegische Firma Elop. Marcus Jocham arbeitet für die Firma und erklärt das Vorgehen so: "Wir suchen nach Hohlstellen, Fehlstellen, Rissen, Delaminierungen und nach Abbrüchen innerhalb der Betonstruktur."

"Der Insight Crawler kann an Brückenpfeilern hochklettern. Das macht der über ein Vakuum. Dieser Roboter hat ein Schaumgummi-Fahrwerk und saugt sich sozusagen an der Brücke fest."
Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Was Brückenprüferinnen und Brückenprüfer jetzt noch von Krankörben oder mit Kletterausrüstung direkt an der Brücke von Hand erledigen müssen, macht der Scanner automatisch. Er liefert dabei Daten, aus denen Fachleute dann Rückschlüsse ziehen und vorausschauender Wartungsarbeiten planen können als bisher. Bald soll das Gerät marktreif sein. Kostenpunkt: rund 150.000 Euro.