Der 5. Mai ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Raúl Krauthausen hat die Veranstaltung mitorganisiert. Dabei wird es um Forderungen zur Gleichstellung gehen, aber auch um die Unsicherheit in Zeiten von Corona.

Heute (5. Mai) findet wieder der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt. Das Motto lautet diesmal "Behinderung macht UNsichtbar".

Denn zum einen würden Menschen mit Behinderung zu oft von der Gesellschaft vergessen, so der Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen. Zum anderen sollen die Großbuchstaben U und N auf die Behindertenrechtskonvention der UN, der Vereinten Nationen, hinweisen.

Vor elf Jahren hat Deutschland die Konvention unterzeichnet. "Eigentlich ist damit festgelegt, dass Menschen mit Behinderung nicht diskriminiert werden dürfen", sagt Raúl Krauthausen.

Die Rechte müssen umgesetzt werden

Doch bei vielem sei es bei Lippenbekenntnissen geblieben. Der Inklusionsaktivist fordert eine fundamentale Veränderung, auch im Bereich der Durchsetzung von Recht. Das beinhaltet zum Beispiel ein Klagerecht gegen Diskriminierung für Menschen mit Behinderung.

"Behinderte Menschen brauchen ein Klagerecht, wenn sie in bestimmten Bereichen ausgeschlossen werden."
Raúl Krauthausen, Inklusionsaktivist

Auf die bestehenden Probleme und auf die Forderungen soll der heutige Protesttag hinweisen. Der findet diesmal im Netz statt. Ab 14 Uhr gibt es den Online-Maiprotest. Es soll einen dreistündigen Livestream geben. Später gibt es alles zum Nachschauen auf dem Youtube-Kanal AbilityWatch.

Beim Protest wird es auch um die Situation von Menschen mit Behinderung in Zeiten der Coronakrise gehen. Eine große Unsicherheit sei zum Beispiel, wie und ob Krankenhäuser auf Menschen mit Behinderung vorbereitet seien, so Raúl Krauthausen.

Wer wird im Zweifelsfall bevorzugt?

Dazu gehört auch die Diskussion um die Triage. Gemeint ist, dass im Fall von vielen, gleichzeitig verletzten oder erkrankten Menschen, diese in eine Rangordnung eingeteilt werden.

Die Einteilung soll Ärzten und Ärztinnen bei der Entscheidung helfen, wer zuerst medizinische Hilfe bekommt, wenn nicht alle gleichzeitig behandelt werden können. In Deutschland gab es bislang keine Engpässe bei der Versorgung von Covid-19-Patienten und -Patientinnen.

Dennoch sorgt die Diskussion für Unsicherheit. Müssen Menschen mit Behinderung dann mit Menschen ohne Behinderung um einen Beatmungsplatz konkurrieren? "Da gibt es große Ängste", sagt Raúl Krauthausen.

Viele der Einschränkungen sind für Menschen mit Behinderung Alltag

Raúl sagt, Menschen mit Behinderung seien in der Krise teils vielleicht resilienter. Menschen ohne Behinderung würden zurzeit Erfahrungen machen, die Menschen mit Behinderung schon ihr ganzes Leben machten. Dazu gehört die Isolation zu Hause. Auch, dass man nicht einfach mal spontan raus kann.