Gerade bei schwierigen Entscheidungen oder Debatten, geht es bei vielen im Kopf rund. Ja, nein, vielleicht, oder doch? Die Gedanken drehen sich - wir sprechen mit uns selbst. Doch diese innere Stimme meldet sich bei einigen noch viel öfter und bei anderen wiederum kaum.

Manche von euch werden gerade, wenn sie diesen Text lesen, vielleicht eine innere Stimme hören, die ihnen die Wörter quasi vorliest. Sie stellen sich während des Lesens also den Text akustisch vor und hören innerlich, wie sie ihn sprechen oder er gesprochen wird. Andere hingegen hören nichts, sondern erfassen den Sinn ohne eine akustische Vorstellung, nur durch das Sehen.

Jeder erlebt seine Gedanken anders

Einige Menschen sprechen innerlich mit anderen Stimmen, zum Beispiel mit Prominenten oder Angehörigen. Sie stellen sich Messenger-Nachrichten mit den Stimmen der Zusender vor, aber auch Buchtexte - ohne dass sich das fremd oder seltsam anfühlt.

Viele empfinden die Wahrnehmung ihrer inneren Stimme als so normal, dass sie deswegen davon ausgehen, dass es bei allen anderen auch so ist. Und das gilt ebenso für die Leute, die keine innere Stimme hören. Die Psycholinguistin Anke Werani glaubt aber, dass jeder in Dialog mit sich selbst steht – nur das Ausmaß unterscheidet sich.

"Ich gehe davon aus, dass es unterschiedliche Entfaltungsgrade gibt, je nachdem, wie sprachlich geübt man ist oder welchen Stellenwert Sprache in der eigenen Biografie einnimmt."
Anke Werani, Psycholinguistin

Wenn wir Kinder sind, bringen die Erwachsenen uns das Sprechen bei. Dann fangen wir an, alleine für uns zu sprechen - als Begleittext zu dem, was wir gerade tun, erklärt Anke Werani. Und irgendwann übertragen wir das auch in unsere Gedankenwelt.

Inneres Sprechen wirkt sich auf das Verhalten aus

Um herauszufinden, wie unterschiedliches inneres Sprechen sich auf das Verhalten eines Menschen auswirkt, hat die Psycholinguistin Anke Werani selbst eine Studie durchgeführt. Während ihre Probanden verschiedene Aufgaben lösten, sollten sie dabei das, was sie innerlich sprechen, laut sagen. Am Ende konnte Anke Werani vier Gruppen kategorisieren:

  • Die Pragmatiker, sprechen vor allem dann mit einer inneren Stimme, wenn sie ein Problem lösen müssen
  • Die Gesprächigen, sprechen ständig und viel in Dialogform mit selbst
  • Die Zweifler, unterbrechen sich oft mit einer negativen inneren Stimme selbst im Denkprozess
  • Die Wortkargen, sprechen kaum oder gar nicht mit einer inneren Stimme

In der Testsituation schnitten die Pragmatiker am besten ab. Sie setzen Sprache gezielt als Werkzeug ein. Auf Platz zwei landeten die Gesprächigen, dann kamen die Zweifler und Wortkargen. Doch egal, zu was für einem Prüfungsergebnis es führt: Die Menschen, die sie befragt hat, wollten ihre Art mit sich selbst zu sprechen nicht ändern, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Monika Ahrens.

"Ich kann es mir gar nicht vorstellen, anders mit mir selbst zu kommunizieren, als ich das tue. Mir selbst hilft das innere Sprechen, mit meinen Ideen, Problemen und mit dem, was ich denke und was ich zu bewältigen habe, gut umzugehen."
Anonyme Interviewpartnerin

Selbstgespräche sind völlig normal

Im Jahr 2015 veröffentlichte die amerikanische Psychologin Ruvanee P. Vilhauer eine nicht repräsentative Studie über das individuelle Leseerleben. Sie wertete mehrere Umfragen aus, die User auf der Serviceplattform Yahoo! Answers zwischen 2006 und 2014 dazu veröffentlicht hatten.

Die Untersuchung zeigte, dass 82.5 Prozent der User tatsächlich innerlich beim Lesen sprechen. Lediglich 10.6 Prozent gaben an, dass sie das nicht tun. Der Rest der User war nicht klar einzuordnen.

Einige Teilnehmer berichteten, dass sich die Stimme, die sie sich beim Lesen vorstellen, nicht, oder kaum von ihrer „Denkstimme“ unterscheidet. Manche nahmen die innere Lesestimme hingegen als gruselig wahr. Ein User berichtete sogar, dass er gelegentlich von seiner inneren Stimme angeschrien werden würde. Normal ist das Sprechen mit sich selbst also allemal. Ändern können wir ja zumindest den Umgangston.