Die Klimakatastrophe schreitet voran. Doch reagieren wir angemessen auf den Ernst der Lage? Warum auch radikalere Formen des Protests legitim sein können. Ein Vortrag des Sozialphilosophen Robin Celikates.

Im Februar 2022 hat der Weltklimarat, der IPCC, den zweiten Teil seines sechsten Berichts zu den Folgen des Klimawandels veröffentlicht. Darin warnen die Forschenden eindringlich: Wir haben nur noch ein sehr kleines Zeitfenster zum Handeln, um die Klimakatastrophe abzumildern.

"Bei der Klimakatastrophe wird der Ernst der Lage immer noch weitgehend verkannt. Wirtschaftliche Interessen, die Komplexität der politischen Machtkonstellationen, Kurzsichtigkeit und das Festhalten an nicht nachhaltigen Lebensweisen scheinen einer adäquaten Reaktion noch immer im Weg zu stehen."
Robin Celikates, Sozialphilosoph

Doch statt mit allen Mitteln dem Klimawandel entgegenzutreten, läuft vieles weiter wie bisher. Für die Wirtschaft bleiben kurzfristige Gewinne wichtig und viele Menschen fragen sich, ob die Politik handlungsfähig genug ist, mit der nötigen Geschwindigkeit zu reagieren. Was tun? Um diese Frage geht es im Vortrag von Robin Celikates. Er ist Sozialphilosoph und Professor an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind ziviler Ungehorsam, Demokratie, Migration und Rassismus.

"Dass es zivilen Ungehorsam geben muss, ist Bestandteil davon, in einer Demokratie zu leben."
Robin Celikates, Sozialphilosoph

Wer Bedenken hat, dass wir nicht angemessen auf die Klimakrise reagieren, kann friedlich auf angemeldete Demonstrationen gehen, Flugblätter verteilen oder Petitionen unterschreiben. Doch manchen genügt das nicht. Dürfen oder müssen wir angesichts der Lage zu radikaleren Formen des Protests greifen? Ist es zum Beispiel legitim, Autobahnen zu blockieren?

"Ziviler Ungehorsam ist ein Protesthandeln, das absichtlich rechtswidrig ist. Es ist symbolisch, disruptiv, hat eine Appellfunktion und verzichtet auf organisierte physische Gewalt."
Robin Celikates, Sozialphilosoph

Robin Celikates gibt eine klare Antwort: Ziviler Ungehorsam gehört zur Demokratie, auch wenn er disruptiv ist und gegen bestehende Gesetze verstößt. Er ist legitim und gerechtfertigt auch dadurch, dass es in unserer Demokratie eine lange Geschichte von verschiedenen Formen des zivilen Ungehorsams gibt.

Robin Celikates' Vortrag hat den Titel "Ziviler Ungehorsam und Klimawandel". Er hat ihn am 9. März 2022 online gehalten, im Rahmen der Reihe KlimaLectures der Jungen Akademie.

Quellen aus der Folge:
  • Hörsaal
  • Moderatorin:  Sibylle Salewski
  • Vortragender:  Robin Celikates, Sozialphilosoph