Der zweite Teil des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats zeigt die verheerenden Folgen der Klimakrise auf. Deutlich wird, dass die Hälfte der Menschheit Opfer dieser Krise werden wird. Das werden die ärmeren Menschen in ärmeren Regionen sein, aber auch die Ärmeren bei uns, fasst ARD-Umweltexperte Werner Eckert zusammen.

Dieser Teilbericht des Weltklimarats, der am 28. Februar veröffentlicht wurde, macht deutlich, dass relativ unmittelbar 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen auf der Welt betroffen sein werden, sagt ARD-Umweltexperte Werner Eckert.

"Das ist eine sehr ans Herz gehende Erkenntnis."
Werner Eckert, ARD-Umweltexperte

Betroffen sind demnach nicht nur die ärmeren Menschen in ärmeren Regionen der Welt, sondern auch die Ärmeren in den reichen Staaten, erklärt Werner Eckert. Das Risiko für die Ärmsten sei fünfmal so hoch bei einer Flut, Dürre oder anderen Wetterextremen zu sterben, also für Ärmere in reichen Staaten. Ihre Chance bei den gleichen Wetterextremen sei besser, diese zu überleben.

Klimawandel Gefahr für das Wohl der Menschen und des Planeten

Auch wenn der Weltklimarat schon seit vielen Jahren vor den Folgen des Klimawandels warnt, macht er in diesem Bericht deutlich, dass der Klimawandel eine Gefahr für das Wohl der Menschen und des Planeten sei. Werner Eckert meint, dass mit dieser Aussage deutlich gemacht werde, dass wir alle nur durch den Klimawandel verlieren werden. Lange Zeit hätte es auch Stimmen gegeben, die auch Gewinner durch den Klimawandel sahen, so der Umweltexperte.

"Was ich ganz erstaunlich finde, ist: Zum ersten Mal hat man eine Vernetzung mit den sozialen Problemen, sprich auch mit Regierungshandeln, und anderen Umweltproblemen vorgenommen."
Werner Eckert, ARD-Umweltexperte

Neu an dem Bericht des Weltklimarats, auf Engslisch Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), ist die Verknüpfung von Klimawandel, sozialen und anderen Umweltproblemen. Damit werde auch eindeutig Regierungshandeln angesprochen. Man müsse zum Beispiel auf Staaten einwirken, die im Tropengürtel liegen und Wälder roden.

Klimaschutz: Ausstieg aus fossilen Energien und Stopp der Umweltvernichtung

Kern der Studie sei, dass wir als erstes Klimaschutz betreiben müssten, indem wir aus der Kohle-, Öl- und Gasverbrennung aussteigen und die Umweltvernichtung stoppen. Ohne diese zentralen Punkte umzusetzen, "wird alles andere sowieso ziemlich hoffnungslos", sagt Werner Eckert. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern ist eine politische Entscheidung. Wegen der aktuellen weltpolitischen Lage ist zum Beispiel eine Laufzeitverlängerung für Kohlekraftwerke wieder in der Diskussion, "aus Klimagründen müssen wir eigentlich raus aus diesen fossilen Brennstoffen", sagt der Umweltexperte.

Werner Eckert findet es erstaunlich, dass der IPCC fordert, 30 bis 50 Prozent der Land- und Seeflächen unter Schutz zu stellen und dort der Natur Vorrang einräumt. "Das ist unglaublich viel mehr, als wir heute unter Schutz haben", stellt der Umweltexperte fest.

Große Schutzflächen für Resilienz der Natur

Diese großen Flächen an Schutzräumen seien laut der IPCC-Forschenden notwendig, um die Resilienz der Natur zu erhalten. Selbst Werner Eckert fragt sich, wie diese Anforderungen umgesetzte werden können - vor allem weil nur noch wenig Zeit für die Umsetzung bliebe. Der Co-Autor des IPCC-Berichts, Hans-Otto Pörtner, hat bei der Pressekonferenz deutlich gemacht, dass uns nur noch dieses Jahrzehnt bleibe, um zu handeln. Verpassen wir dieses Zeitfenster, "dürfte manches einfach nicht mehr aufzuhalten sein", so der Umweltexperte.

Zeitfenster für Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels wird kleiner

Das Ziel der Klimaschutzmaßnahmen ist, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Derzeit liegt die Erderwärmung bei ungefähr 1,2 Grad und es werde uns wahrscheinlich nicht gelingen, die 1,5-Grad-Grenze nicht zu überschreiten, meint Werner Eckert. Der Bericht sei auch darin sehr eindeutig, dass die Überschreitung dieser Schwelle das Risiko deutlich erhöhe, "dass die Menschheit gravierenderen Folgen ausgesetzt ist", so der Umweltexperte.

"Die Wissenschaftler haben klar gemacht, dass es sich lohnt, jenseits von 1,5 Grad jedes Zehntel Grad zu dämpfen, dass man dämpfen kann."
Werner Eckert, ARD-Umweltexperte

Auch wenn es der Menschheit nicht gelinge, das 1,5-Grad-Limit einzuhalten, so müssten wir alles dafür einsetzen, jedes Zehntel Grad Erwärmung zu verhindern. Je größer die Erderwärmung, desto dramatischer die Auswirkungen. "Ich bin keiner, der sagt, die Welt geht jetzt unter", sagt Werner Eckert, aber wir würden es nachfolgenden Generationen sehr schwer machen, wenn wir an unserem Weg festhalten würden.

Lebensgefährliche Bedrohung durch Hitze

Wie diese Auswirkungen aussehen könnten, beschreibt der Umweltexperte an Hitzewellen. Bei den Hitzewellen 2003 und 2018 gab es in der EU Todesopfer im fünfstelligen Bereich. Steigt die Erderwärmung auf 3 Grad an, werden wir bei Hitzewellen doppelt bis dreimal so hohe Opferzahlen verzeichnen, prognostiziert der IPCC-Bericht. Die Dürreperioden könnten nicht mehr mit Bewässerung kompensiert werden, Wassermangel wird dann auch in unserer Region herrschen.

Fluchtbewegungen

Würden wir die Erderwärmung bei 1,7 Grad stoppen können, würde das trotzdem Fluchtbewegungen aus der Region südlich der Sahara auslösen. Zwischen 17 und 40 Millionen Menschen müssten ihre Heimat verlassen. Steigt die Erderwärmung auf 2,5 Grad werden es 56 bis 86 Millionen Menschen sein.

Notwendige Anpassungen an den Klimawandel

Weil schon jetzt klar ist, dass wir bestimmte Entwicklungen nicht mehr verhindern können, geht es in dem aktuellen IPCC-Bericht auch um die Anpassungen an den Klimawandel. Die Menschen müssten in die Lage versetzt werden, mit dem Klimawandel und seinen Folgen umzugehen. Vor über zehn Jahren haben die Industriestaaten den weniger entwickelten Staaten zugesagt, jährlich 100 Milliarden Dollar zu mobilisieren, um ihnen die Anpassungen an den Klimawandel zu ermöglichen.

Bis heute ist das Geld in keinem Jahr zusammengekommen, sagt Werner Eckert. Abgesehen davon sei das viel zu wenig Geld, wenn man das mit den 30 Milliarden Euro vergleicht, die für Schäden nach der Flutkatastrophe an der Ahr 2021 bereitgestellt worden sind.

Schon kleine Maßnahmen können etwas bewirken

Teilweise könnten Maßnahmen helfen, die für sich genommen nicht teuer seien, wie zum Beispiel die Verbesserung von Wettervorhersagen. In Ostafrika könnte das ein wichtiger Faktor sein bei der Entscheidung, wann die Aussaat erfolgen soll, oder ein Frühwarnsystem für Fluten in Bangladesch. Alles Dinge, die wenig kosten würden, aber selbst dafür sei kein Geld zur Verfügung gestellt worden.

Im Vergleich: In Schleswig-Holstein würden die Deiche höher gebaucht werden, auch eine Anpassung an den Klimawandel. Deutschland kann das einfach finanzieren. Trotzdem würde bei uns auch immer noch zu wenig getan: Jede Kommune müsste Schutzpläne für Starkregen oder Hitze haben. "Denn Hitze ist bei uns das Lebensgefährlichste, was die Klimakrise mit sich bringt."

Was wir tun können, um das 1,5-Grad-Limit doch noch einhalten zu können, wird der nächste IPCC-Bericht darlegen, der im April erscheinen wird.