Aus der Forschung kommen alarmierende Zahlen zum Thema Insektensterben. Aber wie schlimm ist es wirklich? Der Naturschutzbund Deutschland e.V. ruft uns alle auf, für eine Stunde kleine Sechsbeiner zu zählen. Die Daten aus Deutschlands Gärten helfen dem Nabu, den aktuellen Stand einzuschätzen.

Wie viele Insekten gibt es noch, und welche? Diese Fragen beschäftigen den Naturschutzbund Nabu und damit er Antworten darauf bekommt, ruft er uns alle zur Insektenzählung auf. Der sogenannte Insektensommer geht bald in die zweite Runde. Jeder, der Lust hat, sich eine Stunde in die Natur zu setzen und Insekten zu zählen, kann mitmachen.

Mark Benecke ist Teil des Insektensommers des Nabu. Beruflich hat er es als Kriminalbiologe oft mit Insekten – wie Schmeißfliegen oder Totengräberkäfern – auf Leichen zu tun. Da ist die Insektenzählung des Nabu eine willkommene Abwechslung.

Massives Insektensterben in Krefeld

Für den Nabu ist es wichtig, mehr über Bestand und Artenvielfalt der Insekten zu erfahren. Wie dramatisch die Entwicklung ist, haben zuletzt Daten des Entomologischen Vereins Krefeld gezeigt. Hier stellte und stellt sich bei regelmäßigen Zählungen heraus, dass innerhalb von 30 Jahren drei Viertel des Insektenbestands verschwunden sind. Zumindest in dem Gebiet, das die Krefelder in Nordrhein-Westfalen untersucht hatten. – Werte, die Mark Benecke fassungslos machen.

"Das ist erdgeschichtlich eine unfassbar hohe Zahl."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Das Insektensterben war zuletzt auch Titelthema der wichtigsten Wissenschaftszeitschrift Science. Ein Artikel, der 166 Langzeitstudien zum Insektensterben zusammenfasst, war Titelthema und daraus ließe sich ebenfalls entnehmen, so Mark Benecke, dass sowohl Zahl als auch Artenvielfalt der Landinsekten weltweit deutlich zurückgehen.

"Das ist die größte Naturkatastrophe, die je passiert ist, solange es Menschen auf der Erde gibt."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Kriminalbiologe Mark Benecke bezeichnet das aktuelle Insektensterben als größte Naturkatastrophe, seit es Menschen gibt. Er erläutert: Es sei das sechste große Artensterben auf der Erde, aber das erste, seit es Menschen gibt. "Bei einem Artensterben rafft es immer diejenigen Lebewesen dahin, die ganz oben stehen, und das sind die Menschen."

Insekten per App erkennen

Wer also mitmachen möchte bei der Zählaktion des Nabu, kann sich ganz leicht alle nötigen Unterlagen aus dem Netz laden. Und ihr müsst noch nicht einmal Hemmungen haben, wenn ihr keine Ahnung von Insekten habt. Gezählt wird alles, das klein ist und sechs Beine hat. Und wenn ihr eine Art nicht erkennt, könnt ihr euch eine App des Nabu herunterladen.