Worauf wir achten sollten, wenn wir uns in einem fremden Land aufhalten - und wie wir damit umgehen können, wenn wir vermeintlich Missstände feststellen, haben wir eine Interkulturelle Trainerin gefragt.

Ein Video kursiert im Netz. Laut Twitter-Account "Africa Facts Zone" handelt es sich bei der Frau angeblich um eine britische Touristin, die auf einem marokkanischen Markt vor einem Stand steht, an dem ein Mann Hühner verkauft. Die Hühner befinden sich offenbar in gelben Plastikkäfigen.

Die Vögel selbst kann man nicht sehen, nur die Käfige. Die Touristin schreit den Verkäufer lautstark an - am Ende des Videos klettert sie auf die Käfige und versucht anscheinend, die Tiere zu befreien. Der Verkäufer hält die Käfigtür zu. Das Video soll in Marokko für Empörung gesorgt haben.

Streit um die Tierhaltung (?)

Was die Frau dem Verkäufer zuruft, ist kaum zu verstehen. Es scheint so, als ob sich die Touristin extrem darüber aufregt, wie die Tiere gehalten werden. Der Verkäufer und die umstehenden Menschen scheinen die Frau allerdings nicht zu verstehen und nicht zu wissen, was sie ihnen mitteilen möchte.

"Ich würde raten, mit den Menschen vor Ort in einen richtigen Dialog zu treten. Um zu verstehen, was sie antreibt und warum es diese Umstände - wie diese Hühner auf dem Markt - überhaupt gibt."
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Wenn wir einen vermeintlichen Missstand wahrnehmen, sollten wir zunächst einmal mit den beteiligten Menschen vor Ort in den Dialog treten, empfiehlt die Interkulturelle Trainerin Ines Wangermann. Um die Situation überhaupt richtig verstehen zu können. Forderungen sollten wir in der Rolle des Touristen in einem fremden Land nicht stellen, so Wangermann.

"Auch wenn Marokko keine britische Kolonie war: Alle Nachkommen ehemals kolonialisierender Kulturen sollten sehr sensibel damit sein, Menschen einer anderen Kultur die Welt zu erklären."
Ines Wangermann, Interkulturelle Trainerin

Die Psychologin Ines Wangermann schlägt vor, in solchen Situationen "empathisch zuzuhören" - also wirklich zu versuchen, zu verstehen, was die andere Person sagt. Dabei sei es wichtig, dass wir nicht während des "Zuhörens" eigentlich schon im Kopf vorbereiten, was wir als nächstes sagen wollen.

"Empathisches Zuhören"

Ines Wangermann kann zwar verstehen, dass sich die Frau über einen vermeintlichen Missstand aufregt. Die darauffolgende Aktion kann sie allerdings nicht nachvollziehen. Die Psychologin empfiehlt, sich lieber im eigenen Land für - in diesem Fall - artgerechte Tierhaltung und die Wahrung des Tierwohls einzusetzen.