Immer wieder ist zu hören: Wir bewegen uns in den sozialen Medien nur in unserer Filterblase. Jetzt haben Forschende festgestellt: Das stimmt nicht. Stattdessen sorgen Facebook, Twitter und Suchmaschinen offenbar dafür, dass wir unterschiedliche Nachrichten konsumieren.

Forschende aus Mainz, Hohenheim und Köln haben sich angeschaut, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass wir Onlinenachrichten konsumieren. In ihrer Studie haben sie festgestellt: Menschen, die Suchmaschinen und verschiedene soziale Medien nutzen, erhalten vielfältige News.

Dabei haben sie auch herausgefunden, dass wir eher auf Nachrichtenseiten landen, wenn wir vorher Google, Facebook oder Twitter aufgerufen haben, als wenn wir zuvor die Ebay-Seite geöffnet haben, sagt Michael Scharkow vom Institut für Publizistik in Mainz.

Soziale Medien - gut für die Vielfalt an Nachrichten

Wer klassisch Zeitung liest oder Fernsehnachrichten schaut, bekomme dagegen ein sehr enges Angebot. Das erinnert an das Zeitungsangebot vor gut 20 Jahren, als es in vielen Gegenden nur eine Zeitung gab, wodurch die Leserinnen und Leser gar keine Wahl hatten. Der Vorteil: Diese Menschen können über die Ereignisse viel einfacher sprechen. Wenn wir unsere Nachrichten selbst im Netz zusammen suchen, entfällt das Moment, dass man mit unseren Mitmenschen über dieselben Sachen reden kann.

In ihrer Studie haben die Forschenden keinen Beleg gefunden, dass Facebook oder Google tatsächlich die Vielfalt reduzieren. Im schlimmsten Falle erhöhen sie diese nur nicht. Wichtig ist aber auch festzuhalten: Es ist nur eine Studie in einem Land, die auch nur zu zwei Zeitpunkten gemessen hat.

"Als Wissenschaftler ist man natürlich sehr vorsichtig, aus einer einzigen Studie absolute Schlüsse zu ziehen, wie: Das Problem der Filterblasen gibt es gar nicht."

Im nächsten Schritt sei es wichtig, wie es sich an den von der Politik oft thematisierten Rändern der Gesellschaft verhält, sagt Michael Scharkow. Vielleicht seien radikale Mitbürgerinnen und Mitbürger auch stärker selektiv in ihrer Medienauswahl.

Wie unterschiedlich verschiedene Blasen Themen aufnehmen, zeigt auch der Tausch der Facebook-Seiten von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und dem Journalist Hasnain Kazim. Die beiden haben eine Woche lang ihre Facebook-Seiten getauscht. Boris Palmer hat beispielsweise etwas über einen Angriff von Menschen mit einem Fluchthintergrund geschrieben und gemerkt, das wurde in Hasnain Kazims Blase ganz anders wahrgenommen.

Tausch von Facebook-Seiten

Ob so ein Tausch von Facebook-Seiten wünschenswert ist, da sind sich Forschende nicht einig. Einige meinen: Ein zentrales Element in einer Demokratie sei auch das aktive Auseinandersetzen mit einer anderen Meinung. Aber aus anderen Studien ist auch bekannt, dass wir keine Lust mehr zum Diskutieren oder auf politisches Engagement haben, wenn es zu divers wird. Eine zu große Diversität der Meinung führt zu so etwas wie Lähmung, meint Michael Scharkow. "Aber etwas Vielfalt ist, völlig unstrittig in eine positive Sache."