Arbeitszeiten von zwölf und mehr Stunden sind unter Investmentbankern üblich, sagt Rainer Voss. Und um das viele Geld geht es nur am Rande.

Fast 30 Jahre lang hat Rainer Voss als Investmentbanker gearbeitet. Morgens um 7 Uhr saß er schon am Schreibtisch. Gegen 20 Uhr kam er nach Hause. Und dabei sei er nicht der Letzte im Büro gewesen. Viele seiner Kollegen hätte noch viel länger gearbeitet und sich gegenseitig unter Druck gesetzt, wer es am längsten am Schreibtisch aushält.

"Wenn Sie 16 Stunden arbeiten, um die Arbeit machen zu können, dann stimmt etwas nicht."
Rainer Voss, ehemaliger Investmentbanker

Um Geld ging es dabei nur am Rande - auch wenn Rainer Voss versichert, dass er viel verdient hat. Die Arbeitszeit war für ihn so etwas wie ein sakrales Opfer, das man darbringt. Er wurde richtig hineingezogen in die Finanzwelt: Die Kollegen, das Unternehmen - eine Blase, aus der man nicht mehr herauskommt. Rainer Voss spricht von einem rauschhaften Erlebnis wie bei einem Fußballspiel: Alle laufen in dieselbe Richtung, ohne zu fragen, warum. Nicht nur die langen Arbeitszeiten, auch die vielen Dienstreisen, hätten ihn von Kontakten außerhalb dieser Welt isoliert. Manchmal war er ein halbes Jahr nicht zu Hause.

Innerhalb der Finanzweltblase findet eine Art Gleichschaltung statt - so beschreibt Rainer Voss seine Zeit als Investmentbanker. Alle Kollegen fahren an dieselben Orte in den Urlaub. Eine Art selbstreferenzielles System - außerhalb der Blase lerne man niemanden mehr kennen.

Zerfressene Gesellschaft

Vor sieben Jahren ist Rainer Voss ausgestiegen und kritisiert die Überbetonung der Arbeit in unserer Gesellschaft. Seine Kritik an der Arbeits- und Finanzwelt schildert er in dem Dokumentarfilm "Der Banker - Master of the Universe".

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