Apple hat den Notruf via Satellit für die neuste iPhone-Generation freigeschaltet – in Deutschland und anderen Staaten. Wer ein iPhone 14 hat, für die oder den soll es damit keine Funklöcher mehr geben. Sind WLAN und Mobilfunknetz nicht erreichbar, kommuniziert das Gerät mit einem Kommunikationssatelliten.

Internet per Satellit scheint immer wichtiger zu werden: Das ukrainische Militär koordiniert damit seine Angriffe, Regierungen setzen ihre Hoffnung im Kampf gegen lahmes Internet in ländlichen Regionen darauf, und jetzt dürfen auch noch Menschen in Not auf Rettung hoffen – allerdings erstmal nur die, die ein iPhone der aktuellen Generation (iPhone 14) besitzen.

"Wenn WLAN und Mobilfunknetz nicht erreichbar sind, nimmt das iPhone Verbindung zu einem von vielen Kommunikationssatelliten auf, die um die Erde kreisen. Ganz normale Satelliten, also keine speziellen von Apple."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Das "Keine Verbindung"-Problem soll es für diese Menschen nicht mehr geben. Denn wenn WLAN und Mobilfunknetz nicht mehr erreichbar sind, weil man sich in einem sehr entlegenen Gebiet aufhält, dann nimmt das iPhone Verbindung zu einem von vielen Kommunikationssatelliten auf, die um die Erde kreisen. Das sind ganz normale Satelliten – also keine speziellen von Apple.

In Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Irland wurde diese neue Funktion für iPhones 14 am Dienstag (13.12.2022) freigeschaltet. 2023 sollen weitere Länder folgen. Der Service ist zunächst ab jetzt für zwei Jahre kostenlos. Danach muss man bei Interesse ein Abo abschließen – was das kosten soll, hat Apple noch nicht mitgeteilt.

Bei einem Notfall müssen erstmal Fragen beantwortet werden

Via Satellit mit der Rettungsstelle oder der Familie sprechen bei einem Notfall, klappt aber leider nicht. Bei einem Notfall muss man auf dem Handybildschirm erstmal schriftlich einige Fragen beantworten – zu dem Notfall, dem Ort und der Schwere der Verletzung. Das Handy bündelt diese Informationen dann in einer einfachen Textnachricht. Dazu kommen:

  • GPS-Daten (unter anderem auch die Höhe, auf der man sich befindet – sehr wichtig zum Beispiel, wenn man in den Bergen ist)
  • Batteriestatus des Gerätes (als Information für die Retter, wie lange der Akku noch hält)
  • falls vorhanden: Infos aus dem Notfallpass (medizinische Informationen, die man vorher eingegeben hat)

All das zusammen wird an eine Notrufzentrale geschickt – aber nicht direkt an die nächstgelegene, sondern laut Apple an eine Vermittlungszentrale mit speziell geschultem Personal, das diesen Hilferuf dann an Notrufzentralen und die Familien der Betroffenen weiterleiten kann. Wie gut das dann funktioniert, muss die Erfahrung erst noch zeigen.

Freie Sicht auf den Himmel nötig

Sofern die Sicht auf den Himmel frei ist, soll die Verbindung zu einem der vielen Satelliten klappen, sagt Apple. Die Satelliten fliegen mehr als 1000 Kilometer über der Erdoberfläche. Das iPhone hilft mit Bildschirminformationen dabei, das Handy korrekt auszurichten.

"Das iPhone 14 hilft mit Bildschirminformationen dabei, das Handy korrekt auszurichten."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Bei guten Bedingungen kann die Text-SMS dank leistungsstarker Komprimierung offenbar in gut 15 Sekunden an den Satelliten verschickt werden. Es gibt auch eine Demo-Version, mit der man testen kann, ob sich eine Verbindung zum Satellit herstellen lässt oder nicht.

Wenn kein Notfall vorliegt, kann die Satellitenfunktion übrigens auch genutzt werden: Mit der "Wo ist"-App kann man seinen Standort via Satellit an Freunde schicken. Die Notrufzentrale bleibt dabei außen vor.

Android-Nutzer*innen müssen noch warten

Mit dem Android-Betriebssystem ist der Satelliten-Empfang via Handy momentan noch nicht möglich. Das soll sich aber bald ändern, wie Googles Vizechef Hiroshi Lockheimer Anfang September per Tweet angedeutet hat. Schon die nächste Android-Version im kommenden Jahr soll das Feature unterstützen.

Android wird dann auch andere Satelliten ansteuern – nicht die Kommunikationssatelliten in mehr als 1000 Kilometer Höhe, sondern eine neue Generation von Starlink-Satelliten, die viel tiefer fliegen. Mit Hilfe dieser Satelliten soll man dann auch richtig im Internet surfen können – zwar nicht so megaschnell wie gewöhnlich, aber immerhin soll dann von quasi überall eine Verbindung möglich sein. Erste Tests könnte es schon im kommenden Jahr in den USA geben.

  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter