Im Irak soll es Gespräche zwischen IS und Al-Qaida geben. Trotz einer gemeinsamen Vergangenheit setzen die beiden Terrororganisationen auf unterschiedliche Strategien.

Die Terrororganisationen Al-Qaida und der sogenannte Islamische Staat verfolgen unterschiedliche Strategien. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass es im Irak trotzdem Gespräche zwischen den beiden Islamisten-Gruppen stattgefunden haben sollen und zitiert dazu den irakischen Vizepräsidenten Ayad Allawi.

Die Kanäle offen halten

Daniel Gerlach, Mitherausgeber des unabhängigen Magazins für den Nahen Osten Zenith, ist vorsichtig, was die Aussagekraft dieser Nachricht angeht. "Dass es Kontakte gibt, ist überhaupt nichts neues," sagt er. Selbst wenn in der öffentlichen Darstellung der Terrororganisationen auf Konfrontation gesetzt werde, die Kommunikationskanäle seien stets offen gehalten worden.

Dass der IS sich im Irak an Al-Qaida wenden könne, erklärt Daniel Gerlach auch durch eine andere Ausgangssituation im Irak, die sich vom Szenario in Syrien unterscheide. Dort haben sich die beiden Organisationen entzweit. Im Irak haben beide Organisationen eine historische Verbindung: Der IS im Irak ist aus Al-Qaida hervorgegangen, hat sich noch weiter radikalisiert, verstärkt gegen andere Muslime gewandt und hat etwa das Kalifat ausgerufen. 

Hilfe für den IS

Rein strategisch setze der IS auf einen territorialen Anspruch, während Al Qaida "ein globales Gleichgewicht des Schreckens" bilden wolle, so Nahost-Experte Daniel Gerlach. Beide würden jedoch ein ähnliches Klientel rekrutieren, so Daniel Gerlach. Sie setzten beide ideologisch auf den Dschihad - also den bewaffneten Kampf - als Lebensmittelpunkt. 

Für den IS gab es zuletzt jedoch Rückschläge im Irak. So erzielten irakische Truppen Erfolge bei der Rückeroberung der belagerten Stadt Mosul. Zudem haben die Terroristen des IS Probleme, sich mit neuen Kämpfern zu versorgen. "Die Nachschubruten sind dicht" sagt Daniel Gerlach. 

"Ich denke, dass es dem 'Islamischen Staat' nicht gelingen wird, sein territoriales Projekt zu erweitern oder zu verteidigen, indem er sich bei Al-Qaida neue Rekruten abwirbt."

Welchen Erfolg sich die möglichen Gesprächspartner daraus versprechen, darüber kann zurzeit nur spekuliert werden. Einen großen Einfluss auf die unterschiedliche Ausrichtung der beiden Terrororganisationen habe dies vermutlich nicht. "Dieser Versuch, die Hände wieder nach Al-Qaida auszustrecken (wenn es ihn geben sollte) ändern das strategische Gleichgewicht derzeit nicht," so die Einschätzung von Daniel Gerlach.

Die Bedrohungslage durch Terroristen im Irak ist weiterhin sehr hoch. Fast täglich kommt es hier zu Terroranschlägen - verübt von Attentätern der Al-Qaida oder des IS.

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