Nora Sinemillioǧlu stammt aus Deutschland. Im Oktober 2013 ist sie von Berlin nach Erbil im Nordirak gezogen. Seit einigen Tagen merkt sie, dass der Vormarsch der Isis-Truppen das Leben dort verändert: Die Menschen legen sich Benzinvorräte an, die Lebensmittelpreise steigen, die Medien sind voll mit Nachrichten über die Isis-Terrorgruppe.

In Erbil leitet Nora das Informationszentrum des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Sie unterstützt kurdische Studenten, die in Deutschland studieren wollen, kümmert sich um Stipendien und organisiert Austauschprogramme zwischen deutschen und kurdischen Universitäten.

Isis? Wo?

Nora ist 30 Jahre alt und Tochter eines Kurden. Sie ist in Dortmund aufgewachsen, hat in Berlin studiert und spricht arabisch und kurdisch. Bis vor wenigen Tagen, sagt sie, habe sie vom Vormarsch der Isis-Terrorgruppe nichts mitbekommen.

"Das ist total freaky. Die Leute haben mit der Schulter gezuckt und gesagt, dass alle umstrittenen Gebiete in der Hand der Kurden sind. Die Kurden waren die dritten, die sich gefreut haben."
Nora Sinemillioǧlu

Die Lebensmittelpreise steigen

Die Situation hat sich geändert: Nora erzählt von langen Schlangen an den Tankstellen, die Menschen legen sich Kraftstoff-Vorräte an. Die Preise für Obst und Gemüse steigen, weil die Lebensmittel nicht mehr aus dem Irak kommen, sondern aus der Türkei und dem Iran importiert werden. Sie nimmt die Situation als künstlichen Hype wahr. Dass rund 100 Kilometer westlich von Erbil in Mossul die Isis die Macht übernommen hat, erscheine ihr fast unwirklich.

"Die Kurden sind relativ immun gegen religiösen Fanatismus, weil sie sich eher ethnisch als religiös als Gruppe identifizieren. Islamische Parteien spielen hier auch keine große Rolle."
Nora Sinemillioǧlu

Besonders wichtig sei die umkämpfte Stadt Kirkuk, südlich von Erbil. Hier liegen große Ölvorkommen, die den kurdischen Gebieten im Irak eine finanzielle Unabhängigkeit verleihen. Darum müsste Kirkuk unbedingt in der Hand der Kurden bleiben.

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