Für die Hochzeit verreisen, das klingt schön. Viele Juden in Israel heiraten aber gezwungenermaßen im Ausland: für die religiöse Hochzeitszeremonie sind sie nicht jüdisch genug.

Jede fünfte israelische Hochzeit fand letztes Jahr nicht in Israel statt. Das liegt daran, dass Paare in Israel nicht einfach auf dem Standesamt heiraten können, sondern nur religiös - und nur, wenn beide Partner der gleichen Religion angehören. Aber auch für Paare, bei denen beide Juden sind, ist eine Hochzeit zuhause problematisch. Nach altem orthodoxen Recht nämlich gilt nur als Jude, wer eine jüdische Mutter hat.

Keine jüdische Mutter

Ella und Jonni sind Juden und leben in Tel Aviv - geheiratet haben sie aber in Tschechien. Genau wegen dieser Regelung. Denn bei Ella ist nur ihr Vater Jude. Wie Ella und Jonni geht es etwa 300 000 Israelis, darunter viele Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Dass sie eine jüdische Großmutter oder einen Großvater haben, genügt, um israelischer Bürger zu werden. Jedoch nicht, um zu heiraten.

"I went to the army, I pay my taxes and I consider myself like a good citizen, but I cant get all the rights that a jewish person can get in Israel."
Ella, Jüdin aus Tel Aviv, durfte nicht in Israel heiraten

Um zuhause heiraten zu können, hätte Ella nach orthodoxen Riten konvertieren müssen. Ein langwieriges Verfahren, dessen Ausgang nicht sicher ist. Für Ella und Jonni kam diese Option ohnehin nicht in Frage. Wie viele säkulare Juden verstehen sie sich als Juden im kulturellen Sinne. Die Macht des Oberrabbinats lehnen sie ab. Für sie ist es eine erzkonservative Institution, in der Frauen kaum etwas zu sagen haben. Daher entscheiden sich viele Israelis sogar ganz bewusst für eine Hochzeit im Ausland, da sie keine Lust auf die orthodoxe Zeremonie haben.

Die Scheidung wird noch komplizierter

Noch schwieriger als das Heiraten wird es aber beim Thema Scheidung, erklärt die Rabbinerin Noa Sattah. Sie setzt sich dafür ein, dass der Einfluss des Oberrabbinats eingeschränkt wird. Denn auch bei der Scheidung - gleich, wie die Hochzeit stattgefunden hat - greift orthodoxes Recht. Das heißt: eine Scheidung wird nur dann vollzogen, wenn der Mann zustimmt.

"Women dont have a voice in front of the courts. There is no divorce until the husband agrees."
Noa Sattah, Rabbinerin

Noa Sattah empfiehlt Paaren daher, eher eine "Civil Union" einzugehen, eine eheähnliche Gemeinschaft. Die Partner haben ähnliche Rechte wie Eheleute. Das gleiche ist es aber nicht.

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