Im Iran haben Frauen per Gesetz viel weniger Rechte als ihr Ehemann: Sie müssen zum Beispiel um Erlaubnis bitten, wenn sie arbeiten oder ins Ausland reisen wollen. Doch selbst die iranischen Männer kämpfen jetzt für die Rechte ihrer Frauen.

Die Kapitänin der iranischen Frauen-Fußballnationalmannschaft, Niloofar Ardalan, konnte im September 2015 nicht zu den Asienspielen anreisen, weil ihr Mann ihr die Ausreise verbot. Ein Skandal, doch im Iran sind die Frauen rechtlich schlechter gestellt als ihre Ehemänner. "Laut Gesetz entscheiden Männer über die Ausreise ihrer Ehefrauen. Ohne die Unterschrift des Mannes, gibt es keinen Pass zum Reisen", sagt DRadio-Wissen-Reporterin Yalda Zarbakhch. Außerdem müssen die Frauen bei ihren Männer die Erlaubnis einholen, wenn sie arbeiten möchten, sagt Yalda. In Deutschland war das übrigens genauso bis 1976.

Mit dem Hashtag #itsmensturn setzen sich jetzt auch iranische Männer für die Rechte ihrer Frauen ein. In Sozialen Netzwerken protestieren sie gegen die Ungleichbehandlung, indem sie auf Twitter, Facebook oder Instagram posten: "Meine Frau ist frei." Oder: "Meine Frau darf ins Ausland reisen."

"Die Männer distanzieren sich davon, weil ihre Alltagsrealität längst eine andere ist."
Yalda Zarbakhch, DRadio-Wissen-Reporterin

Die Gesetze bestehen seit über 50 Jahren, sagt Yalda, doch die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Der Fall von Niloofar Ardalan hat nun dafür gesorgt, dass sich die iranische Gesellschaft mit den Frauenrechten auseinandersetzt. Bis zur Grünen Revolution 2009 hatten sich verschiedene Frauenrechtsbewegungen formiert, sagt Yalda. Nach der Wahl wurde diese Bewegung allerdings zerschlagen. Die neue Protestbewegung hat dazu geführt, dass allein bei der Vizepräsidentin für Frauen- und Familienangelegenheiten bereits etwa 1000 E-Mails eingegangen seien, berichtet Yalda.

Iranische Gesellschaft gerät in Bewegung

Welchen Nachhall diese Proteste haben, ist schwer einzuschätzen. Yalda erklärt, dass der aktuelle Protest zum einen durch alle Gesellschaftsschichten gehe, weil der Auslöser ein Sportereignis gewesen sei, das alle Iraner interessiere. Die Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh glaubt, dass die junge Generation diese Ungleichbehandlung von Frauen nicht mehr länger hinnehmen wird. Hinzu komme, erklärt Yalda, dass an den Universitäten inzwischen 70 Prozent der Studenten Frauen seien. Viele junge Männer sind für eine Gleichberechtigung und nehmen dafür sogar Strafverfahren und Verhaftungen in Kauf wie der 34-jährige Kave Mozafari. Allerdings ist Kave skeptisch gegenüber dem Social-Media-Protest, weil er glaubt, dass dieser Protest nicht die Gesellschaftsschichten erreicht, in denen Aufklärung dringend notwendig sei. Die reaktionäre, rückständige oder traditionell lebende Bevölkerung habe meist auch keinen Internetzugang.

Männer, die ihren Frauen jetzt schon mehr Rechte geben wollten, könnten dies in Form eines Ehevertrags festschreiben, sagt Yalda. Leider wüssten viele Frauen nicht von dieser Möglichkeit oder würden sich nicht trauen, sie einzufordern. Kave sei diesen Schritt gegangen und habe seiner Frau mit dem Ja-Wort Rechte in den Ehevertrag schreiben lassen, berichtet Yalda.

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