Die japanische Fesselkunst Shibari ist vielfältig. Erotik steht nicht unmittelbar im Vordergrund, sondern auch ästhetische oder therapeutische Aspekte. In Eine Stunde Liebe erzählt Mamana über die Philosophie des Shibari.

Im westlichen Bondage - Praktiken der Fesselung - geht es oft um Dominanz und Unterwerfung. Dagegen ist die japanische Fesselkunst Shibari vielfältiger. Im Vordergrund steht nicht nur die Erotik, auch ästhetische oder therapeutische Motive können eine Rolle spielen, erklärt Mamana. Sie gibt Shibari-Workshops im Berliner Karada-House.

Shibari - anders mit dem Körper auseinandersetzen

Viele ihrer Workshop-Teilnehmer*innen beschreiben, dass sie sich im Moment des Gefesseltseins ultimativ fallen lassen können. Es ist eine andere Form, sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Am Anfang lernen die Teilnehmenden, sich selbst an bestimmten Stellen zu fesseln.

"Wenn ich ein Seil in der Hand habe und bestimmte Techniken ausprobiere, denke ich über mich und meinen Körper anders nach. Wie mein Körper aussieht oder aussehen muss, fällt weg, wir sind dann sehr bei uns."
Mamana vom Shibari-Studio Karada House Berlin

Auch auf kritische Fragen wie die nach dem Problem der kulturellen Aneignung oder den Ursprüngen der Fesselkunst als Folter oder Methode der Gefangenschaft in Zeiten der Sklaverei geht Mamana in den Workhops ein. Thema ist auch das Aufbrechen von Geschlechterrollen.

"Vor zehn Jahren waren es noch sehr klassische Rollenverteilungen: Der Mann fesselt, die Frau wird gefesselt. Das hat mich genervt, ich bin queer, ich kann damit überhaupt nichts anfangen. Aber es gibt viele Leute aus der queern Szene, die das jetzt anders angehen", sagt Mamana.

Therapeutische Wirkung von Shibari

Im Liebestagebuch erzählt Emma regelmäßig aus ihrem Liebes- und Sexleben. Seit drei Jahren praktiziert auch sie die japanische Fesselkunst Shibari, bisher aber nicht im sexuellen Kontext.

"Das Gefesseltsein hat eine schmerzstillende Wirkung, weil Adrenalin und Endorphine ausgeschüttet werden. Durch die selbst zugefügten Schmerzen wird der Schmerzreiz an anderer Stelle unterdrückt."
Emma praktiziert Shibari auch gegen ihre chronischen Schmerzen

Es geht Emma um eine andere Form von achtsamem Umgang mit ihrem eigenen Körper und dem ihrer Shibari-Partnerin. "Wenn ich eine Fesselung um meinen Oberkörper habe, dann habe ich oft das Gefühl von einer Hängematte, in die ich mich fallen lassen kann. Andersherum, wenn ich fessle, bekomme ich von der Person Vertrauen geschenkt, sie begibt sich in meine Hände und ich kann mich kreativ ausleben", erzählt Emma.

Liebestagebuch

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