Pole-Dancing-Workshops und strikte Geschlechtertrennung: Junggesellenabschiede sind voller Widersprüche, nicht zeitgemäß und strotzen vor Geschlechterstereotypen. Trotzdem ist der Brauch sehr beliebt. 

Eine angeheiterte Truppe zieht in gleicher Aufmachung durch die Innenstadt. Die zukünftige Braut oder der Bräutigam trägt einen Bauchladen mit Krimskrams und Schnapsfläschchen vor sich her und versuchen, die Sachen für kleines Geld zu verkaufen. Diese Szene spielt sich an den Wochenenden tausendfach in deutschen Städten ab. Bachelor-Partys und Junggesellinnenabschied bleiben weiterhin sehr beliebt. 

Besonders angesagt sind bei Junggesellinnen Burlesque- oder Pole-Dancing-Workshops. Emanzipiert wirkende Frauen tanzen lasziv an Stangen, um sich ein paar Moves draufzuschaffen, die scheinbar den Erhalt der noch zu schließenden Ehe sichern soll. Solche Events finden selbstverständlich unter Ausschluss von männlichen Beobachtern statt.

Barbara Friebertshäuser forscht über Rituale und Übergänge in neue Lebensabschnitte. Obwohl im Alltag immer weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht werden, gibt es bei gewissen Themen immer noch eine klare Trennung zwischen Männern und Frauen.

"Das hat möglicherweise auch damit zu tun, dass sich die alten Rollenteilungen in den Köpfen gerade bei solchen Übergängen wie Heirat wieder in die Vorstellung von dem, was dort geschieht, einschleichen."
Barbara Friebertshäuser erforscht Geschlechterfragen

Aber warum Poledance, Burlesque, Chairdance und Co. bei Junggesellinnenabschieden so beliebt sind, darauf kann die Geschlechterforschung bisher noch keine abschließende Antwort geben. 

Wie man es auslegt, dass eine Frau kurz vor der Hochzeit einen Poledance-Workshop oder Ähnliches macht – bleibt reine Interpretationssache. Das Fazit unserer Reporterin: Man kann es unemanzipiert finden – oder, ganz im Gegenteil, besonders emanzipiert. 

Dass wir Wahlfreiheit haben und dass es hohe Individualität gibt im Ausdruck dessen, was man als wünschenswert und begehrenswert betrachtet, ist Ausdruck der Moderne. Dass aufgeklärte und reflektierte junge Frauen nach neuen Formen für sich suchen, ist gerade Ausdruck ihrer Emanzipation."
Barbara Friebertshäuser erforscht Geschlechterfragen

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