Emojis erweitern nicht nur unsere Ausdrucksmöglichkeiten, sie tauchen auch immer häufiger als Beweismittel vor Gericht auf. Wie präsent Emojis und Emoticons in amerikanischen Gerichten sind, haben jetzt Forscher der kalifornischen Santa Clara University aufgelistet.

Der amerikanische Rechts-Professor Eric Goldman hat eine Liste mit allen Fällen vorgestellt, bei denen sich US-Gerichte in ihren Urteilen auf Emojis und Emoticons als Beweismittel bezogen haben. 2016 waren es noch 25 Urteile, 2018 schon über 50 Urteile. Wobei seine Untersuchung zeigt, dass Emoticons insgesamt eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Emoji-Gerichtsurteile nehmen in den USA exponentiell zu

Nur kurz zur Unterscheidung: Emojis, das sind die bunten lachenden, weinenden oder wütenden Gesichter und Symbole, die wir als Bildchen in Chats verwenden. Emoticons sind die angedeuteten Gesichter aus Buchstaben oder Satzzeichen. Bekanntestes Beispiel: Doppelpunkt, Minus und Klammer für das lachende Gesicht.

Das Problem ist, dass Emoticons und Emojis viel Spielraum für Interpretation lassen. In einem Beispiel, das die US-Wissenschaftler selber anführen, wirft die Staatsanwaltschaft einem Angeklagten Zuhälterei vor und verweist auf Instagram-Nachrichten, die der Angeklagte an eine Frau verschickt hat. "Teamwork macht den Traum wahr" schreibt er dort und setzt ein paar Emojis dahinter: Krone, High Heels und Geldsack. Das sei ganz klar Anstiftung zur Zuhälterei, sagt die Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hingegen behauptet, der Angeklagte sei an einer romantischen Beziehung interessiert gewesen.

Emojis werden unterschiedlich ausgelegt

Ein anderes Beispiel kommt aus Israel. Da verklagte 2017 ein Vermieter ein Pärchen, weil es einen Mietvertrag nicht unterschrieben hat, obwohl die beiden eine Emoji-Nachricht mit Siegeszeichen, Sternschnuppe, Champagnerflasche  und Eichhörnchen geschickt hatte.

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In diesem israelischen Fall galt die Whatsapp-Nachricht tatsächlich als Zusage und das Pärchen musste Schadenersatz leisten. Der Vermieter sei nach der Nachricht zurecht davon ausgegangen, dass er seine Wohnung vermietet habe und daher keine weiteren Anstrengungen mehr zu unternehmen brauche.

In vielen Fällen ignorieren Richter aber Emojis und lassen sich gar nicht auf die Interpretation ein. Die Emojis, so die US-Forscher, würden vor dortigen Gerichten häufig für irrelevant erklärt, weil sie zu oft für Missverständnisse sorgen. 

"Kaum einer weiß zum Beispiel, dass das Emoji mit der Person mit beiden Händen überm Kopf offiziell für 'Einverstanden' steht."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung geht es nicht nur um die unterschiedlichen Interpretationen von Emojis, sondern auch um technische Fragen. Denn je nach Plattform werden Emojis unterschiedlich dargestellt. Zum Beispiel gab es 2017 eine aufgeregte Debatte, wie ein richtiges Bierglas-Emoji auszusehen hat. Bei Google war das Glas halbvoll und bei Apple ganz voll.

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