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Im Kalten Krieg standen sich zwei Machtblöcke gegenüber, deren Feindschaft die ganze Welt bedrohte. Im Herbst 1961 gründete eine Reihe von Staaten die Bewegung der Blockfreien, die in diesem bedrohlichen Konflikt neutral bleiben wollte. Die gemeinsamen Ziele: Frieden und Unabhängigkeit.

1. September 1961: In Belgrad gründet sich die Bewegung der Blockfreien Staaten. Am Abend zuvor hatte der jugoslawische Machthaber Josip Tito in den Räumen des dortigen Metropol-Hotels einen Gala-Empfang gegeben. Mit diesem feierlichen Bankett sollte der Beginn einer neuen Epoche eingeläutet werden.

Neutralität im Ost-West-Konflikt

Staats- und Regierungschefs aus 25 Nationen sind angereist und gründen nun eine Bewegung, die sich im Kalten Krieg weder dem Westen noch dem Osten zugehörig fühlt. In Zukunft wollen sie eine starke Stimme ihrer Völker in der Weltpolitik sein. Neben Tito sind der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser, Indiens Ministerpräsident Jawaharlal Nehru und Sukarno, der Präsident Indonesiens die treibenden Kräfte.

Viele der blockfreien Länder sind erst wenige Jahre zuvor aus der kolonialen Abhängigkeit entlassen worden. 1961 war dann das sogenannte "afrikanische Jahr" gefolgt, in dem 18 Staaten Afrikas ihre Eigenständigkeit erlangten. Nun stehen ihre Regierungen vor der Frage, wie sie ihre politischen und ökonomischen Ziele in einer Welt vertreten wollen, die mitten im Kalten Krieg steckt und am Gegensatz zwischen dem kommunistischen Block unter Führung der Sowjetunion und dem kapitalistischen Block unter Führung der USA zu zerbrechen droht.

Blockfreien-Bewegung: Heterogene Mitglieder mit gemeinsamen Ziele

Die Ziele der Blockfreien sind unterschiedlich. Autokraten und Demokraten sitzen an einem Tisch, auch wenn sie kaum mehr gemeinsam haben als den Wunsch nach Unabhängigkeit und Frieden. Deshalb wird in Belgrad beschlossen, eine "Bewegung" und keine "Organisation" ins Leben zu rufen – ohne starre Regeln und feste Bürokratie.

In ihren grundlegenden Zielen allerdings sind sich die Blockfreien einig: weltweite Abrüstung, friedliche Koexistenz von Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen und die Verhinderung eines dritten Weltkriegs.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Historiker Jürgen Dinkel erläutert die Hintergründe, die zur Gründung der Bewegung der Blockfreien geführt haben.
  • Die Münchner Osteuropa-Expertin Marie-Janine Calic beschreibt eine der bedeutendsten Figuren der Bewegung der Blockfreien: Jugoslawiens Staatschef Josip Tito.
  • Christian Wagner von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik erläutert die Rolle der Blockfreien im Kalten Krieg.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt die politische Situation, in der am Beginn der Dekolonisierung die Bewegung der Blockfreien entsteht.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Felix Schledde berichtet über die erste Gipfelkonferenz der Bewegung der Blockfreien Anfang September 1961 in Belgrad.

Unser Bild zeigt den damaligen jugoslawischen Präsidenten Josip Tito (rechts) und den jugoslawischen Diplomaten Bogdan Crnobrnja (links) am 1. September 1961 bei der Eröffnung der ersten Gipfelkonferenz der Bewegung der Blockfreien in Belgrad.