Treffen Kohlmeise und Trauerschnäpper bei der Nistplatzsuche aufeinander, kann das extrem blutig ausgehen. Ein Konkurrenzkampf, der vermutlich durch den Klimawandel verschärft wird, sagen niederländische Forscher. 

Üblicherweise kommen sich Kohlmeise und Trauerschnäpper in Europa eher weniger in die Quere. Der Trauerschnäpper verzieht sich im Herbst Richtung Westafrika und kommt erst im Frühjahr zurück. Sogenannte "Standvögel" wie die Kohlmeise ziehen - je nach Region - nur zum Teil weiter. Die meisten Kohlmeisen überwintern bei uns. Durch den Klimawandel hat sich die Ausgangssituation der Vögel vermutlich verändert, sagen niederländische Forscher von der Universität Groningen

Streit bei der Nistplatzsuche

Für ihre Untersuchung haben sich die Forscher klimatische Bedingungen und Vogelbestand angeschaut. Demnach überleben durch mildere Winter mehr Kohlmeisen, die in der Folge mehr Nistplätze beanspruchen. Außerdem verschieben die anpassungsfähigen Kohlmeisen bei ungemütlichem Frühjahrswetter das Brüten auf einen späteren Zeitpunkt. 

So kommt es zum Konflikt mit den Trauerschnäppern, die immer zur selben Zeit nisten wollen. Da beide ähnliche Nistplätze bevorzugen, ist Ärger vorprogrammiert. Problematisch ebenfalls, dass die Vögel einen ähnlichen Speiseplan haben: Insekten, Raupen, aber auch Nüsse und Samen. 

Angriff beim Brüten

Rein optisch haben die Vögel jedoch nicht so viel gemein. Die Kohlmeise ist mit ihrem schwarz-weißen Kopf, gelbem Bauch mit schwarzem Streifen und grünlich schimmernden Flügelfedern auffälliger als der bräunlich-graue Trauerschnäpper. Beide bringen jedoch ein recht ähnliches Kampfgewicht mit. Die Kohlmeise ist circa 15 Zentimeter lang und wiegt etwa 22 Gramm. Der Trauerschnäpper ist nur etwas leichter und kleiner.

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Für ihre Untersuchungen haben die Ökologen von der Uni-Groningen systematisch Nistkästen in niederländischen Naturschutzgebieten untersucht und dabei viele tote Trauerschnäpper-Männchen gefunden. Und die waren ziemlich übel zugerichtet. Der "Tathergang" sieht laut den Forschern in etwa so aus: 

Wenn die Trauerschnäpper wie gewohnt aus ihrem Winterquartier zurückkommen und mit der Suche nach einem Nest beginnen, finden sie viele der Nistkästen bereits belegt vor. Wenn sie Pech haben, treffen sie ein Meisenweibchen quasi noch bei der Eiablage, und das greift dann aggressiv an.

Erst getötet, dann drauf gebrütet

Der Kampf geht offenbar meist schlecht für den Trauerschnäpper aus. Manchmal essen die Kohlmeisen noch das Hirn des getöteten Vogels - als Proteinquelle. Die Wissenschaftler sagen zudem, dass sie einige der toten Trauerschnäpper erst nach der Brutsaison gefunden haben, da die Kohlmeisen ganz einfach auf der Vogelleiche gebrütet haben.

Obwohl in einigen Jahren sogar bis zu 9 Prozent aller Männchen durch Meisen starben, konnten die Forscher keinen deutlichen Rückgang der Trauerschnäpper-Küken feststellen. Ihre Theorie: Opfer der Meisen wurden vor allem Männchen, die kein Weibchen gefunden und sich dann alleine auf die Suche nach einem Nistplatz gemacht haben. So verzweifelt, dass sie auch das Risiko eingegangen sind, auf andere Vögel zu treffen.