Auf Twitter hat er es verkündet: Kanye West will US-Präsident werden. In einem Interview gab er preis: Sein Slogan werde "Yes" sein, sein Berater Elon Musk und die Partei solle "Birthday Party" heißen. Kühne Pläne – hat er Chancen? Politikwissenschaftler Thomas Jäger sieht vor allem Gefahren, und zwar für Joe Biden.

Er habe unter der Dusche gestanden und sich dann vor Lachen nicht mehr eingekriegt – so erzählt der Rapper Kanye West selbst von dem Moment, als er beschloss, als Kandidat für die US-Präsidentschaft ins Rennen zu gehen. Kurz darauf folgte ein Tweet.

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Inhaltlich bringt Kanye West nicht allzu viel mit. In einem Forbes-Interview verriet er kürzlich immerhin, dass sein Slogan "Yes" sei, sein Berater Elon Musk, und die Partei solle "Birthday Party" heißen.

Kanye West hat keine Inhalte, aber eine Zielgruppe

Den Slogan "Yes" deutet der Politikwissenschaftler als "verkürzten Obama" – "Yes" solle die Assoziation zu "Yes we can" herstellen. Damit greife Kanye West gezielt die Wählerschaft an, die einst Barack Obama für sich gewinnen konnte.

"'Yes' ist ja der verkürzte Obama und soll die Assoziation zu 'Yes we can' herstellen. Das ist auch die Wählerschaft, auf die Kanye West zielt."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler

Kanye West sei weniger eine Gefahr für Donald Trump als vielmehr für Joe Biden, den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Biden, so Thomas Jägers Einschätzung, könne nämlich nur gewinnen, "wenn es ihm sowohl gelingt, die weiße Arbeiterschaft zurück von Trump zu den Demokraten zu holen, als auch geschlossen die afroamerikanischen Stimmen zu kriegen".

Und genau die Gruppe der BIPoC (Black and Indigenous People of Color) ist es, die man Kanye West zuschreibt, so Thomas Jäger. Erste Umfragen hätten ergeben, dass Kanye West acht Prozent Zustimmung erhält. Das würde Joe Biden enorm schaden, sagt er.

"Hier geht jemand ins Rennen, der Trump einen Vorteil verschafft, weil er die afroamerikanischen Stimmen splittet."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler

Ob es vielleicht genau Kanye Wests Intention ist, Joe Biden zu schaden und Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf einen Vorteil zu verschaffen, kann Thomas Jäger nicht mit Sicherheit sagen. Denkbar wäre aus seiner Sicht aber das Szenario, dass Trump Werbung für Kanye West macht.

Denn in den USA ist es möglich, auf den Stimmzettel einen Namen zu schreiben, für den dann die Stimme gilt. Auf diesem Weg hätte Trump Stimmen zwar nicht für sich aber gegen Biden gewonnen, so der Politikwissenschaftler.