Worte wirken – das weiß auch Kanye West. Darum hat er jetzt eine Idee: Alle bösen Wörter streichen, so kommen wir zum Weltfrieden. Das klingt so merkwürdig, dass wir unseren Reporter dazu losgeschickt haben.

Kayne West hat auf Twitter über 28 Millionen Follower. Immerhin über 6.000 haben seine neueste Idee gefavt und die geht so: Wörterbuch kaufen, positive Begriffe unterstreichen, die anderen durch afrikanische Parabeln ersetzen und dann: Weltfrieden!

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Ganz so abwegig ist diese Idee natürlich nicht. Oder sagen wir mal: Sie enthält eine sprachwissenschaftliche Erkenntnis. Nämlich die, dass Sprache unser Denken beeinflusst. Und vielleicht auch unser Handeln.

Die Macht der Worte

Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut. Er beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Sprache und Gewalt und hat dazu ein Buch geschrieben, der Titel: "Schmerzgrenze". Worte, sagt Joachim Bauer, können physische Schmerzen verursachen.

"Wir wissen aus der Neurowissenschaft, dass unser Gehirn darauf ganz massiv reagiert, wenn wir Sachen hören, wo ich beleidigt oder ausgegrenzt werde, wo andere sagen: 'Du bist Dreck für uns'".
Joachim Bauer, Neurowissenschaftler
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Der Weg zum Weltfrieden könnte also irgendwie schon über die Sprache führen. Wir stellen uns vor: Kanye West läuft vorneweg. Das Problem ist nur seine Methode. Joachim Bauer sagt: "Na ja, das was er jetzt hier konkret macht, dass er das Wörterbuch ausmisten will, das finde ich ein bisschen naiv." Trotzdem – das gesteht Joachim Bauer dem Popstar Kanye ein – Sprache und Handeln, das hängt vermutlich zusammen.  

"Man hat die Theorie entwickelt, dass Denken und Sprechen Probehandeln ist. Und wenn wir eine gewalttätige Sprache pflegen, dann bahnt das im Grunde auch gewalttätigen Handlungen den Weg."
Joachim Bauer, Neurowissenschaftler

Achtsamer Umgang mit Sprache, sagt Joachim Bauer, hilft dabei, Gewaltkreisläufe zu durchbrechen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Wichtig dabei ist aber: Das geht nicht mit Listen oder Wörterbüchern, sondern muss dem Kontext entsprechend angewendet werden.

Trotzdem irgendwie amüsant, dass grade ein Rapper wie Kanye West über gewaltfreie Sprache philosophiert. Denn hören wir mal in seinen aktuellen Hit "I love it" rein, da klingeln uns nur so die Ohren. Aber na ja: Im Rap ist das ja alles gar nicht so gemeint. Vermutlich.

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