Campingurlaub, Festival - manchmal haben wir einfach nicht die Möglichkeit, uns zweimal am Tag gründlich die Zähne zu reinigen. Aber ist das wirklich so dramatisch?

Karies jedenfalls ist ein weitaus größeres Problem, als wir bisher angenommen haben. Das belegt der neue Zahnreport 2020. In dem Report heißt es zum Beispiel, dass jedes dritte Kind in Deutschland schon mal eine Karies-Behandlung gehabt hat.

"Der Biofilm wächst und gedeiht, weil wir ihn ja nicht stören."
Falk Schwendicke, Zahnmediziner

Nehmen wir mal an, wir sind auf einem Festival und haben die Zahnbürste vergessen. Falk Schwendicke ist Professor für Zahnheilkunde an der Charité Berlin und weiß, dass sich der Biofilm auf unseren Zähnen schon innerhalb weniger Tage verändert. Die Zusammensetzung der Bakterien verändert sich, es werden mehr Bakterien und am Ende setzt der Biofilm mehr Säure frei, die unsere Zähne oder auch das Zahnfleisch angreift.

Ein Biofilm ist wie eine Stadt aus Bakterien

Einen Biofilm, erklärt Falk Schwendicke, ist ein bakterieller Belag, den man sich etwa wie eine große Stadt vorstellen kann, in der sich Bakterien organisieren – mit Straßen, Transportwegen und Hochhäusern. "Eine richtige Community, in der die Bakterien es schön haben und die sich schwer entfernen lassen", sagt der Zahnmediziner.

Irreversible Schäden an Zähnen und Zahnfleisch

Aber wir gehen noch einen Schritt weiter: Was passiert im Mund, wenn wir uns sieben Tage lang die Zähne nicht putzen? Versuche haben bereits in den 1960er Jahren gezeigt, dass es nach so langer Zeit ohne Zähneputzen zu Zahnfleischbluten kommen kann. Zahnfleischbluten sei ein Zeichen dafür, dass im Mund etwas nicht in Ordnung ist und dass sich Entzündungen ausbreiten, sagt Falk Schwendicke.

Die gute Nachricht ist: Wenn wir nur einmal kürzere Zeit nicht die Zähne putzen, dann ist das zwar nicht gut für unsere Zähne, lässt sich aber anschließend mit einer sorgfältigen Zahnpflege wieder ausgleichen. Problematisch werde es dann, wenn wir regelmäßig bei der Zahnhygiene schlampen oder sie sogar über einen längeren Zeitraum vernachlässigen.

"Wenn sie es ganz lange nicht machen, dann ist der Schaden irreversibel, der an den Zähnen und am Zahnfleisch entsteht."
Falk Schwendicke, Zahnmediziner

Ein Problem sei es auch, wenn der Biofilm auf den Zähnen verkalkt. "Weil im Speichel verschiedene Kalkbestandteile sind. Das ist dann der klassische Zahnstein", so Falk Schwendicke und den bekommen wir auch nicht mehr so einfach entfernt.

Der Zahnmediziner ist ein Befürworter von Zahnseide, über die wir bei Deutschlandfunk Nova bereits kontrovers berichtet haben. Er sagt, das einzige, was an der Zahnseide problematisch ist, seien die Studien. Erstens gebe es nur wenige Studien zum Thema. Und zweitens würden Probanden in Studien die Zahnseide häufig nicht richtig anwenden – was sich wiederum am Ende negativ in den Ergebnissen niederschlage.