Wer gut vernetzt ist, hat bessere Chancen auf einen guten Job. Ein Netzwerk aufzubauen, ist aber gar nicht so leicht. Wichtig ist dabei vor allem: Weniger strategisch vorgehen – und mehr überlegen, wo die eigenen Interessen liegen.

Unser Netzwerk: Das sind Personen, die uns auf jegliche Weise Unterstützung bieten können - sozial, instrumentell oder emotional. Dazu zählt die Familie, Verwandte, Arbeitskollegen aber auch Freunde und Personen, über die wir mit Sozialen Medien verbunden sind. Im Grunde geht es darum, Zugang zu möglichst vielen Informationen zu bekommen, sagt die Arbeits -und Organisationspsychologin Simone Kauffeld.

"Schätzungsweise zwischen 30 und 50 Prozent aller Erwerbstätigen finden ihren Job über ihr persönliches Netzwerk."
Simone Kauffeld, Arbeits -und Organisationspsychologin

Die Arbeits- und Organisationspsychologin Simone Kauffeld von der TU Braunschweig hat im Rahmen einer Studie fünf Jahre lang regelmäßig Promovierende zu ihren Netzwerken befragt. Sie wollte wissen, wie gesunde, erfolgreiche Laufbahnen entstehen. Ihr Ergebnis: Netzwerke spielen dabei eine wichtige Rolle.

Ein großes Netzwerk ist nicht unbedingt das bessere

Natürlich zahle es sich aus, wenn man viele Personen kennt, sagt Simone Kauffeld. Das hilft uns beispielsweise bei Stellenausschreibungen. Diese werden seltener von Freunden zugeschoben, als vielmehr über Personen, die Personen kennen oder die möglicherweise schon etwas über einen gehört oder die Person am Rande kennengelernt haben. Je mehr Leute aus unterschiedlichen Positionen den Markt beobachten, desto größer wird die Chance, das interessante Sachen im Netz hängen bleiben. Bei konkreten Entscheidungen ist aber weniger die Größe, sondern die Qualität des Netzwerks entscheidend. Und im Mittelpunkt steht die Frage: Wie eng ist mein Draht zu den Entscheidern?

"Netzwerken ist Austauschen. Die besten Netzwerker sind sehr altruistisch veranlagt und haben Freude am Geben."
Simone Kauffeld, Arbeits -und Organisationspsychologin

Allzu strategisch sollten wir beim Netzwerken aber nicht vorgehen, meint Simone Kauffeld. Eher sollten wir uns fragen, was die eigenen Interessen sind und wer sie mit uns teilen könnte. Es helfe nicht, sich immer erst zu überlegen, ob sich irgendeine Aktion auszahle. Im Gegenteil: Die besten Netzwerkenden sind oftmals diejenigen, die sehr altruistisch veranlagt sind und Freude am Mitteilen und Austauschen haben.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Außerdem lässt sich ein Effekt besonders beobachten: der Homophili-Effekt. Damit ist gemeint, dass Menschen sich gerne mit Menschen zusammentun, die ihnen ähnlich sind. Und das ist in der Arbeitswelt nicht anders, sagt Simone Kauffeld.

Das bedeutet aber auch: Männer netzwerken beispielsweise eher mit Männern. Auch heute sind immer noch mehr Männer in Führungspositionen, das heißt, Männer tauschen untereinander wichtige Informationen aus und haben so oft einen besseren Zugang.

Frauen netzwerken eher auf gleicher Ebene

Außerdem falle auf: Frauen netzwerken eher auf gleicher Ebene, während Männer sich öfter auch mit Höhergestellten verbinden würden. Laut Simone Kauffeld gibt es aber auch ermutigende Ergebnisse für Frauen: Sie haben tendenziell beim wissenschaftlichen Nachwuchs ein größeres Netzwerk als Männer. Außerdem sind sie eher in der Lage verschiedene Untergruppierungen miteinander zu verbinden, also sogenannte Broker-Positionen einzunehmen. Das zahlt sich aber möglicherweise noch nicht so aus, weil viele Frauen noch nicht in den relevanten Positionen sind, sagt Simone Kauffeld.

"Männer haben oftmals ein kleineres Netzwerk, nutzen es aber erfolgreicher. Sie haben weniger Hemmungen, Ranghöhere anzusprechen - das zahlt sich schneller aus."
Simone Kauffeld, Arbeits -und Organisationspsychologin

Tipp der Expertin: Keine Scheu davor, an Führungskräfte heranzutreten! Wichtig sei dabei, nicht einfach Hilfe einzufordern, sondern sich zu überlegen: Was habe ich im Austausch anzubieten? Das können auch Ideen oder Projekte sein, die für die Person interessant sein könnten.