Der Tsunami, der am 11. März 2011 auf die Ostküste Japans traf, hat im AKW Fukushima einen GAU ausgelöst, den größten anzunehmenden Unfall. Das hatte nicht nur nachhaltige Folgen auf die Umwelt. Auch die Politik reagiert - weltweit.

Die politischen Folgen waren vor allem in Deutschland deutlich zu spüren. Am 30. Juni 2011 beschlossen Bundestag und Bundesrat den endgültigen Atomausstieg. Bis 2022 sollen alle deutschen Atomkraftwerke stillgelegt werden.

Auch andere Länder reagierten. Indien, Pakistan, Russland und Spanien ließen ihre laufenden Kernkraftwerke überprüfen. Ebenso die Schweiz, die zudem eine Laufzeitbeschränkung auf 50 Jahre beschloss und den vollständigen Ausstieg bis 2034. Andere Länder, wie zum Beispiel Frankreich, die Niederlande, Vietnam oder Weißrussland halten an ihren Plänen für neue Kernkraftwerke fest.

Die DRadio-Wissen-Autoren Nina Bust-Bartels und Stephan Beuting über die Folgen der Katastrophe
Fukushima und die Folgen

Gefährliche Strömung?

Die Katastrophe hat nicht nur weltweite politische Folgen. Weil das AKW Fukushima direkt an der Küste liegt, gelangten bisher nicht bekannte Mengen radioaktives Cäsium ins Meer. Die Strömung trägt das verseuchte Wasser auch in andere Teile der Welt. Drei Jahre nach der Katastrophe erreicht radioaktives Material die Küste Kanadas - weit schneller, als Experten dies erwartet hatten. Bislang gelten die Konzentrationen als ungefährlich.

Um zu untersuchen, wie sich die radioaktiven Stoffe im Meer verbreiten, hat Erik Behrens vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Geomar in Kiel ein Modell entwickelt. Basis der Untersuchung ist das Radionuklid Cäsium-137. Die Konzentration im Meer sei bereits stark verdünnt. Doch durch die Meerestiere, die in unmittelbarer Nähe der Küste leben und extrem erhöhter Strahlung ausgesetzt waren, sind radioaktive Stoffe auch in die Nahrungskette gelangt.

In einem Modell wird die Ausbreitung radioaktiver Stoffe im Meer gezeigt
Von Fukushima (links auf der Karte) breitet sich Cäsium-137 aus, mit abnehmender Konzentration.

Berichten von der Katastrophe

Hautnah miterlebt hat Peter Kujath die Katastrophe. Er war von 2007 bis 2013 Korrespondent in Tokio - wurde in seinem Studio vom Erdbeben überrascht. Und auch, wenn er inzwischen einige Beben in Japan erlebt hat, war ihm schnell klar: Das war heftig. Nachdem er sich erkundigt hatte, ob es seiner Frau und dem Hund gut geht, machte er sich sofort an die Arbeit: Fernseher anschalten, informieren.

Doch an diesem Freitag, den 11. März 2011, ließ sich das Geschehene noch längst nicht vollständig überreißen. Erst am nächsten Tag wurde auch für die Menschen in Japan das gesamte Ausmaß der Katastrophe sichtbar.

Zurück ins Katastrophengebiet

Zwei Jahre nach dem Unglück war Peter Kujath erneut vor Ort. Nach wie vor müssen die geschmolzenen Brennstäbe gekühlt werden. Die Arbeiter, die diese Aufgabe übernehmen, riskieren ihre Gesundheit - und ihr Leben. Alternativen sind allerdings kaum denkbar. So fordert die Katastrophe auch drei Jahre nach dem eigentlichen Unglück weiter Opfer.

Auf der anderen Seite sind die Menschen in Japan sehr neugierig, wie in anderen Ländern auf die Katastrophe reagiert wird. Deutschland gilt ihnen als Vorbild. Aber kann dieses Land es wirklich schaffen, komplett auf alternative Energien umzusteigen? Und plötzlich ist Peter Kujath nicht nur Korrespondent aus Tokio, sondern für die Japaner auch irgendwie aus Deutschland.