Teure Anti-Kater-Mittel werben mit dem Versprechen schneller Linderung. Eine neue Studie aus Großbritannien kommt zum Schluss: Das Geld können wir uns sparen. Eine Maßnahme bringt am meisten, und die ist sogar kostenlos.

Ob koreanischer Birnensaft, roter Ginseng oder Nelkenextrakt: In vielen Anti-Kater-Mitteln sind zwar ausgefallene und teure Zutaten drin, einen nachweisbaren Effekt gegen die Kater-Symptome nach dem Saufen haben sie aber nicht. Das ist das Ergebnis einer Metastudie des King's College London.

"Die untersuchten Studien weisen teilweise erhebliche Mängel auf. Das heißt, keiner der Effekte solcher Anti-Kater-Mittel ist nach wissenschaftlichen Standards belegt."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Forschenden haben 21 Studien über verschiedene Anti-Kater-Mittel mit insgesamt 396 Teilnehmenden untersucht. Dabei haben sie festgestellt: Alle diese Studien weisen erhebliche methodische Mängel auf. So wurde beispielsweise keine der Studie von unabhängigen Forschenden bestätigt, und acht Studien haben nur männliche Teilnehmer untersucht.

Kater ist sehr individuell

Einen wissenschaftlich belegten Effekt haben die teuren Anti-Kater-Mittel also nicht. Dazu kommt, dass Kater sehr individuell sind – und zwar nicht nur von Person zu Person, sondern auch von Tag zu Tag. Es gibt viele Faktoren, die dafür sorgen, ob ein Kater schlimm oder erträglicher ausfällt.

"Zum einen hat jeder eine unterschiedliche körperliche Konstitution, wodurch derAlkohol unterschiedlich gut verstoffwechselt wird. Zum anderen spielt auch die Tagesform eine Rolle."
Patrick Schmitt, Molekularbiologe an der Universität Mainz

Patrick Schmitt, Molekularbiologe an der Universität Mainz, forscht zum Thema Kater. Er sagt: Neben der genetischen Disposition jedes Menschen kommen Faktoren hinzu, die den Kater beeinflussen. So etwa die Tagesform, aber auch Begleitstoffe wie bestimmte Lebensmittel.

Wer beispielsweise vor der Party ein Glas Grapefruit-Saft trinkt, dem brummt am nächsten Morgen wahrscheinlich noch stärker der Schädel. Das liegt an den Bitterstoffen die in der Frucht enthalten sind.

Am nächsten Morgen kommt jede Maßnahme zu spät

Wer im Internet nach Tipps sucht, bekommt eine Menge vermeintlicher Wundermittel vorgeschlagen: Elektrolyte, Hustenbonbons oder Kaffee mit Zitrone. Patrick Schmitt sagt: All diese Maßnahmen kommen zu spät.

Wir können zwar etwas für einen erträglicheren Kater tun, doch wir müssen das vor dem Trinken oder spätestens vor dem Schlafen tun. Die einzige Ausnahme könnte ein Spaziergang an der frischen Luft sein. So bringen wir unseren Kreislauf wieder in Schwung.

"Die berühmte Grundlage aus ordentlichem Essen vor dem Trinken hilft also eher. Denn so muss der Körper nicht nur den Alkohol abbauen."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ein Kater entsteht durch den Abbau des Alkohols im Körper. Deswegen ist ein Kater weniger schlimm, wenn der Körper nicht nur Alkohol abbauen muss. Das heißt: Genügend zu essen vor dem Trinken, wirkt einem schlimmen Kater schon mal besser entgegen.

Wasser trinken hilft nur bedingt

Wasser trinken ist zwar immer gut und wichtig – doch gegen den Kater hilft Wasser trinken nur bedingt. Patrick Schmitt hat dazu selbst eine Studie durchgeführt. Das Ergebnis war eher ernüchternd. Denn während des Alkohol-Trinkens haben die Teilnehmer*innen gar nicht so viel Wasser verloren. Der Wasserverlust lag unter einem Prozent.

Während der Party aber hin und wieder mal nach Wasser greifen, ist trotzdem eine gute Idee. Denn so trinken wir insgesamt weniger Alkohol – und das bleibt das beste Mittel gegen einen Kater.