Manche Katzenmuffel sind der Meinung, dass der Mensch für Katzen nicht viel mehr ist als ein sprechender Dosenöffner. Stimmt nicht. Katzen sind sehr anhänglich.

Hunde sind total auf Menschen fixiert. Katzen hingegen gelten als unabhängige Einzelgänger. Da sind sich Katzenfreunde und Katzenhasser in der Regel einig. Drei Forscherinnen der Oregon State Unversity räumen dieses Vorurteil aber nun mit einem Experiment aus dem Weg.

Katze allein im Büro

Das Experiment ist eigentlich dafür gedacht, die Bindung zwischen Babys und ihren Eltern zu untersuchen oder auch die Beziehung zwischen Hunden und Menschen. Aber es lässt sich genauso auf Katzen anwenden:

Die Forscherinnen Kristyn Vitale, Alexandra Behnke und Monique Udell haben insgesamt etwa 70 Katzen-Menschen-Pärchen in ein kleines Büro gesetzt. Der Mensch sollte sich für zwei Minuten auf den Fußboden setzen, die Katze ist im Raum dabei. Dann verlässt der Mensch das Zimmer.

"Das ist schon eine kleine Extremsituation für die Tiere."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

"Die Katzen sind also in einem Raum, den sie nicht kennen, da steht nichts drin, sie können also nicht viel machen", erklärt Klaus Jansen von Deutschlandfunk Nova. "Das ist schon eine kleine Extremsituation für die Tiere." Zumal es ausschließlich junge, maximal acht Monate alte Katzen waren. Alleine ohne ihre Bezugsperson - das ist Stress pur.

Die Reaktion der Katze, wenn ihr Mensch wieder hereinkommt, sagt viel über die Beziehung und Anhänglichkeit des Tieres aus. Zwei Drittel der Testtiere suchte Kontakt zu den Menschen und hat sich noch mal versichert, dass alles in Ordnung ist. Die Katzen waren entspannter und freier, als ihre Bezugsperson wieder da war.

Die Katze braucht ihren Menschen

Das übrige Drittel der Testkatzen hat aber anders reagiert. Diese Katzen haben individueller reagiert. Bei ihnen hat sich das Stresslevel kaum geändert, egal ob ihr Mensch im Raum war oder nicht. Sie waren die typischen Einzelgänger.

"Offenbar hat dieses Drittel das Image der Katzen geprägt", sagt Klaus Jansen, "dass die in solchen ungewohnten Situationen im Grunde super alleine klar kommen und ziemlich cool sind". Sie sind aber in der Minderheit, die Mehrheit der Katzen braucht offenbar ihren Menschen.

"Katzen haben offenbar eine ähnliche Bindungshäufigkeit wie Babys und dem Experiment zufolge sogar eine bessere Quote als Hunde."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova

Die Forscherinnen haben das Experiment, das bisher mit Babys und Hunden durchgeführt wurde, auch mit älteren Katzen durchgeführt und sind zu einem vergleichbaren Ergebnis gekommen.

Das Besondere: "Katzen haben offenbar eine ähnliche Bindungshäufigkeit wie Babys, und dem Experiment zufolge sogar eine bessere Quote als Hunde", fasst Klaus Jansen die Untersuchung zusammen.

Also: Katzen sind anhänglich, vielleicht sogar noch mehr als Hunde.