Das Shalom Center for Conflict Resolution and Reconciliation arbeitet seit 2009 daran, die Konfliktparteien in Kenia auszusöhnen. In manchen Gebieten konnte das Schalom-Zentrum Erfolge verzeichnen. Die Nagelprobe erfolgt bei den nächsten Wahlen am 9. August.

Nach der kenianischen Präsidentschaftswahl am 27. Dezember 2007 und der Bekanntgabe der Ergebnisse kam es zu politischen Unruhen. Es gab Stimmen, die den Verdacht äußerten, es habe Wahlbetrug stattgefunden. Das war der äußere Anlass, sagt die Afrika-Korrespondentin Linda Staude, "warum verschiedene Gruppen aufeinander losgegangen sind". Infolge der Auseinandersetzungen sind 1300 Kenianer gestorben, 60.000 verletzt und 6000.000 vertrieben worden.

"Politische Konflikte gibt es in Kenia immer wieder."
Linda Staude, Afrika-Korrespondentin

Die Gewaltausschreitungen dauerten rund zwei Monate an und haben bis heute auf die bevorstehende Wahl am 9. August 2017 Auswirkungen, sagt Linda Staude. Zwei Jahre nach den Ausschreitungen wurde 2009 das Shalom Center for Conflict Resolution and Reconciliation gegründet. Anlass war nicht allein der vorherige Konflikt, sondern auch die Erkenntnis, dass die Ursachen, die zu dem Konflikt führten, nicht bearbeitet wurden. Die Organisation hat sich zur Aufgabe gemacht, erst einmal zu erforschen, wie der Konflikt zustande kam. 

Grundlegende Konfliktforschung

In denen vergangenen Jahren wurden im Auftrag der Organisation wissenschaftliche Konfliktforschung betrieben. Beispielsweise gehen die Forscher in den Norden Kenias, wo seit Jahren Viehbesitzer sich gegenseitig das Vieh klauen. Bei den Überfällen kommen oft mehrere Menschen ums Leben. Die Gegend ist sehr verarmt, erzählt Linda. Es gibt zu wenig Straßen, keine Schulen oder Gesundheitsversorgung. Das sei eine der Ursachen für die Konflikte.

Eine zweite Ebene ist die Versöhnung: Die Meinungsführer der Konfliktparteien werden zu Workshops eingeladen, um sie dazu zu bringen, miteinander zu reden. Der direkte Austausch soll dabei helfen, die Konflikte durch eine Aussprache zu lösen.

Gleichzeitig hat die Organisation interkulturelle Schulen eingerichtet, wo Schüler der verfeindeten Volksgruppe gemeinsam die Schulbank drücken. Für die Frauen werden ebenfalls spezielle Angebote gemacht. 

Seit Monaten herrscht Frieden

Erste Erfolge dieser Versöhnungsarbeit zeigen sich. Südlich des Lake Turkana, in einem Gebiet im Norden Kenias, ist es gelungen, die verfeindeten Gruppen so auszusöhnen, dass sie jetzt miteinander auskommen. Deshalb, so berichtet Linda, sind die gewaltbesetzten Auseinandersetzungen in den vergangenen Monaten ausgeblieben. Das Schalom-Zentrum ist in den Slums von Nairobi auch präventiv im Vorfeld der anstehenden Wahl unterwegs.

Im Rahmen der Konfliktarbeit klammert das Schalom-Zentrum Religion und Ethnie aus. Es soll nur der ureigene Konflikt bearbeitet werden. 

"Es gibt einige Gegenden in Kenia, die einfach von der Zentralregierung in Kenia vernachlässigt werden. Es wird für die Menschen dort nichts getan. Das führt dazu, dass sie sich auf der einen Seite allein gelassen fühlen und dass sie versuchen, diesen Mangel auf irgendeine Art und Weise auszugleichen."
Linda Staude, Afrika-Korrespondentin

Der katholische Priester Patrick Devine hat das Schalom-Zentrum aufgebaut. Er ist seit 1988 in Kenia und hat sich 1994 um die Flüchtlinge aus Ruanda gekümmert. Weil es niemanden gab, der nach den Ursachen des Konflikts gefragt hat, gründete er 2009 das Schalom-Zentrum, um dieser Aufgabe nachzukommen. Das Schalom-Zentrum hat weitere Projekte in Tansania und Somalia, in Westafrika und an der Elfenbeinküste sind sie noch im Aufbau. 

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