In einigen afrikanischen Ländern wie in Kenia verpassen Mädchen laut einer Studie 20 Prozent der Schulzeit, weil sie ihre Periode haben. Deshalb werden dort Menstruationstassen verteilt.

Die Menstruation ist in vielen Ländern ein Tabuthema. Selbst bei uns in Deutschland fällt es Frauen schwer, offen darüber zu sprechen. Alles muss immer klinisch sauber sein in der Tampon-Werbung, statt Blut sieht man eine blaue Flüssigkeit, sagt Ruth Asan. Sie lebt seit knapp zwei Jahren in Kenia. Dort gilt die Periode nicht als eklig, ist aber mit einer Art religiösen Vorstellung belegt.

"Generell kann man sagen, dass Frauen, wenn sie ihre Periode haben, als unrein gelten und sich deswegen sehr schämen."
Ruth Asan über Menstruationstassen in Kenia

Die Mädchen werden nicht aufgeklärt und wissen daher nicht, was mit ihrem Körper passiert, wenn sie zum ersten Mal ihre Tage bekommen. Nicht einmal die Mütter oder Großmütter klären die Mädchen auf. Viele erschrecken sich und denken, sie sterben, erzählt Ruth. In der Schule werden die Mädchen gehänselt, wenn die Brüste anfangen zu wachsen und sie ihre Periode bekommen. 

"Frauen schämen sich, Frauen zu werden."
Ruth Asan lebt in Kenia

In vielen Ländern wie in Kenia können sich Frauen keine Hygieneprodukte leisten. Mädchen, die ihre Tage haben, können dann einfach nicht in die Schule gehen, weil sie die Blutungen nicht auffangen können, einen schmutzigen Lappen, Ziegenhaut oder Sand benutzen und so Gefahr laufen, ihre Kleidung zu beschmutzen. Also bleiben sie zu Hause. Laut eines Unesco Reports von 2016 verpassen sie deshalb 20 Prozent der Schulzeit. 

"Sobald ein Fleck auf der Kleidung erscheint, weiß jeder, was Sache ist. Das ist für die Mädchen der gesellschaftliche Tod."
Ruth Asan über fehlende Hygieneartikel in Kenia

Die kenianische Regierung hat am 22. Juni auf diesen Zustand reagiert und ein Gesetz beschlossen, wonach jedes Mädchen in der Schule Binden bekommen muss und auch die Möglichkeit, sie zu wechseln und wegzuwerfen. Eine Packung Binden kostet in Kenia 80 Schilling, sagt Ruth. Das sind ungefähr 0,70 Euro. "Das ist aber ein sehr hoher Preis für eine Familie – vor allem auf dem Land", erklärt Ruth.

"Buy One, Give One"

Bleibt zu hoffen, dass die Regierung das Gesetz schnell umsetzt. Denn, je nach Stammeszugehörigkeit, gehen die Mädchen ganz unterschiedlich mit ihrer Menstruation um. "Ich habe auch schon gehört, dass Mädchen eine Woche lang, während sie ihre Tage hatten, unter einem Baum saßen", erzählt Ruth, "einfach nur, damit das Blut vom Boden aufgesaugt wird, weil es nichts gibt". In machen Kulturen sei es noch nicht einmal erlaubt, irgendetwas zu benutzen.

Ruth arbeitet unter anderem auch für Ruby Cup und verteilt Menstruationstassen an Schülerinnen. Sie unterstützt Ruby-Cup-Trainerinnen, gemeinsam erklären sie den Schülerinnen, wie die Menstruationstassen eingesetzt und benutzt werden. 

Ruth Asan mit einer kenianischen Ruby Cup Trainerin
© Ruth Asan
Ruth bespricht sich mit einer Ruby Cup Trainerin

Eine Menstruationstasse reicht, "um ein Mädchen während ihrer gesamten Schulzeit zu begleiten, ohne dass sie sich um ihre Regel sorgen muss", schreibt das Sozialunternehmen auf seiner Seite.

Finanziert werden die Tassen durch das Prinzip "Buy One, Give One": Wenn irgendwo auf der Welt eine Frau eine Ruby Cup kauft, gibt dafür das Unternehmen eine Tasse beispielsweise an ein Mädchen in Kenia. Oder an ein anderes Mädchen irgendwo auf der Welt, wo die Mädchen nicht so leicht Hygieneartikel kaufen können.

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