Die Krankenhäuser und das Personal werden gebraucht wie nie. Doch gerade in Corona-Zeiten werden einige große Verluste machen. Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert findet das absurd.

In Zeiten, in denen Krankenhäuser und das medizinische Personal eine der wichtigsten Rollen der Gesellschaft einnehmen, wird auch viel darüber diskutiert, unter welchen Bedingungen das Pflegepersonal und die Ärzte arbeiten und welche Rolle dabei spielt, dass Krankenhäuser gewinnorientiert arbeiten.

Ein Kritiker davon ist zum Beispiel der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert. Im Gespräch mit Deutschlandfunk Nova bemängelt er, dass in diesem Gesundheitssystem nicht mehr der Patient im Mittelpunkt steht, sondern eher die Fragen, wie lange es dauert, bis er wieder gesund ist, wie viel Betreuung dafür notwendig ist und was das alles kostet.

Lukrative Operationen absagen

Stattdessen rechnen Krankenhäuser pauschal nach Krankheit oder Fall ab. Diese Fallpauschalen sind standardisiert. Für die derzeitige Notfallbetreuung von Covid-19-Patienten bekommen die Krankenhäuser nicht viel Geld, stattdessen mussten sie lukrative Operationen absagen. Derzeit schreiben Krankenhäuser Miese.

"Im Moment entsteht die irre Situation, dass Krankenhäuser demnächst soviel zu tun haben werden wie lange nicht. Aber sie werden massiv Verluste machen in dieser Zeit, weil das in der Finanzierung gar nicht vorgesehen ist."
Kevin Kühnert, Juso-Vorsitzender

Der Staat hat den Krankenhäusern Finanzhilfe zugesagt. Aber diese Krise mache deutlich, dass die Verbetriebswirtschaftlichung von Gesundheit nicht funktioniere und das Gesundheitssystem zusammenbreche, so der SPD-Politiker.

"Wenn ich ein Krankenhauswesen habe, das profitabel arbeiten muss - das macht sich vor allem an den Operationen und konkreten Behandlung fest -, dann werden die Pflegekräfte natürlich zum Kostenfaktor."
Kevin Kühnert, Juso-Vorsitzender

Beispielsweise operieren Pflegekräfte nicht, sondern halten aus Sicht eines Betriebswirts "nur so ein bisschen den Betrieb am Laufen". Diese Kräfte verursachen Kosten, ohne dass es mehr Geld für das Krankenhaus gibt, weil ihre Arbeit nicht an Operationen gebunden ist.

Diese Stellen werden dann aus Profitgründen abgebaut, erklärt Kevin Kühnert. "Mit dem Ergebnis, dass die Leute ächzen und unter dem System zusammenbrechen." Eine ausgebildete Pflegekraft arbeite im Schnitt sieben Jahre in ihrem erlernten Beruf, dann würde sie aus "physischen oder psychischen Gründen die Segel streichen", sagt der SPD-Politiker.

"Wir müssen zurück zu einem System, bei dem Gesundheit und pflegerische Leistungen wieder als Wert an sich betrachtet werden und in dem Krankenhäuser nicht profitabel arbeiten müssen."
Kevin Kühnert, Juso-Vorsitzender

Früher hätte es sogar das Verbot gegeben, dass Krankenhäuser profitabel sein müssen, sagt Kevin Kühnert. Wenn Krankenhäuser nachweisen können, dass "die aufgebrachten Leistungen notwendig waren", dann sollten sie diese erstattet bekommen, fordert der SPD-Politiker. "So, wie ich mir in einem entwickelten und wohlständigen Land wie Deutschland das Gesundheitssystem vorstellen würde."