Rund 670.000 Kinder kommen jedes Jahr in Deutschland zur Welt. Geschätzt 1000 davon sind Kinder von Samenspendern. Ein anonymer Spender hilft einem Paar dabei ein Kind zu bekommen. Ganz so einfach ist das aber nicht: Schließlich sind sozialer und biologischer Vater nicht dasselbe.

Kompliziert wird es, wenn die Kinder mehr über ihre Herkunft wissen wollen: Von wem habe ich die Haarfarbe? Wer hat mir das Grübchen am Kinn vererbt? Und wie sieht es mit Erbkrankheiten in der Familie aus?

"Es gibt Männer, die damit Probleme haben. Aber ich erlebe auch Frauen, die den Samen eines fremden Mannes in ihrem Körper als durchaus befremdlich empfinden. So ähnlich wie fremdgehen."

Was Paare wissen sollten

Petra Thorn ist Sozialtherapeutin und Familienberaterin und kennt sich mit allen Facetten der Samenspende aus. Viele Paare berät sie schon vor der Spendersamenbehandlung. Bis Paare sich dafür entscheiden, haben sie einen langen Weg hinter sich: Sie mussten sich damit abfinden, dass sie auf natürlichem Weg kein Kind zeugen können. Dann geht es um die Frage: Wie viel möchten wir über den Samenspender bzw. den biologischen Vater unseres Kindes überhaupt wissen?

"Der anonyme Spender ist eine zentrale Person, bleibt aber anonym. Das ist für manche Paare ein Dilemma."

Das Vaterphantom

Manche Samenbanken stellen den Eltern anonyme Profile der Spender zur Verfügung: Haarfarbe, Augenfarbe, Körperbau, Bildungshintergrund, Hobbys und Charaktereigenschaften. Vielen Paaren reichen diese Angaben. Petra Thorn rät Eltern ihren Kinder frühzeitig von der Spendersamenbehandlung zu erzählen - am besten schon im Kindergartenalter.

"Eine späte Aufklärung kann für die Kinder mit einem Identitätsbruch einhergehen - manchmal auch mit einem Bruch im Vertrauensverhältnis zu den Eltern."

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