Jedes Mal! Wir beeilen uns, rechtzeitig zum Filmstart im Kino zu sein und dann dauert es noch ewig bis der Film los geht – mit Werbung und Trailern vergehen da gerne bis zu 45 Minuten. Laut Studie wünschen sich die meisten nur drei Trailer – mehr nicht. Die Kinos haben da aber gar keinen Einfluss drauf, erklärt unsere Kinofachfrau Anna Wollner.

Das Gefühl kennen wir ja alle – da hat man sich mit Chips und 'ner Limo eingedeckt, kuschelt sich in den Kinosessel, das Licht geht aus, der Vorhang geht auf und dann kommt: Werbung. Und danach Trailer. Und bis der eigentliche Film endlich mal los geht, ist schon alles verputzt. "Mega nervig" findet das bestimmt nicht nur Deutschlandfunk-Nova-Hörer Tim, der uns geschrieben und sich gefragt hat, warum Kinos das alles so in die Länge ziehen.

Kinos wollen mit Werbung und Trailern kein Geld verdienen

Unsere Kinofachfrau Anna Wollner sagt: Zumindest liegt es nicht daran, dass die Kinos Geld damit verdienen wollten, weil wir uns dann vielleicht eine zweite Ration Chips oder Limo holen. Die finden das selbst nicht so ideal, hat sie im Cinestar am Potsdamer Platz in Berlin erfahren.

"Die Kinos sind selbst davon genervt, dass es so lange dauert, bis der Film losgeht. Sie haben aber keinen Einfluss darauf, weil den Kinos die Werbung vorgeschrieben wird."
Anna Wollner, Kinoexpertin bei Deutschlandfunk Nova

In dem großen Kino in Berlin ist es vielleicht auch ziemlich extrem: Dort laufen vor Filmbeginn 15 bis 20 Minuten Werbung – im Anschluss vier bis sechs Trailer. Je nachdem beginnt der Film also wirklich erst 45 Minuten nach der eigentlichen Anfangszeit.

Studie: Wir müssen vor Filmbeginn zu viel Werbung und Trailer ertragen

Diese Zeitspanne deckt sich auch mit den Ergennissen einer Studie aus den USA. Das Branchenblatt Hollywood Reporter hat zusammen mit dem Institut Morning Consult im August eine Umfrage unter 2200 Kinobesuchern gemacht. Das Ergebnis besagt, dass Kinozuschauer zu viele Trailer vorher ertragen müssen. Die meisten der befragten Kinobesucher (60 Prozent) empfinden ein bis drei Trailer als ideal. Jeder fünfte findet noch vier bis sechs in Ordnung, und nur drei Prozent wollen mehr Trailer sehen, sagt Anna Wollner.

"In der Realität laufen meistens vier bis sechs Trailer oder gar mehr. Also mehr als vom Publikum gewünscht."
Anna Wollner, Kinoexpertin bei Deutschlandfunk Nova

Für die Branche sind Trailer eines der wichtigsten Marketingtools, erläutert Anna Wollner. Manche werden ja sogar selbst zum Megaevent gemacht.

Filmfirmen machen aus Trailern Events

Anna Wollner erinnert sich da zum Beispiel an den ersten Teaser von Star Wars Episode Sieben. Da gab es die "Star Wars Celebration" – eine Fan-Convention in Anaheim – und die Trailer-Premiere wurde live in Kinos in 23 Ländern übertragen. Anna Wollner war damals mit 200 Fans im Imax in Berlin und sagt, dort sei es zu großen Emotionen gekommen.

"Bei der Trailer-Premiere von Star Wars Episode Sieben habe ich nach 90 Sekunden gestandene Männer weinen sehen."
Anna Wollner, Kinoexpertin bei Deutschlandfunk Nova

So große Emotionen löst natürlich nicht jeder Kinotrailer aus - die Macher hätten das aber bestimmt gerne, denn es wird viel Zeit und Geld in die jeweiligen Ausspielwege investiert. Trailer ist ja nicht gleich Trailer. Anna Wollner beobachtet da eine Entwicklung: Inzwischen werden extra Flimtrailer fürs Netz produziert, die entweder 90 Sekunden lang sind oder noch kürzer. Und dann gebe es noch Trailer extra für den Theatrical Release. Das heißt, die laufen wirklich nur im Kino und wer einen Vorgeschmack auf einen Film haben will, muss auch ins Kino gehen.