2000 Büdchen weniger in zehn Jahren: Die Besitzer verdienen wenig, arbeiten viel und bringen wirklich Menschen zusammen. Unser Reporter hat eine Tour gemacht – von Kiosk zu Kiosk.

Kioske gibt es eigentlich an jeder Ecke. In Deutschland sollen es insgesamt 23.000 Trinkhallen, Büdchen und Spätis sein. In den verganenen Jahren sind 2000 davon verschwunden.

Zwischen Supermärkten, mit immer längeren Öffnungszeiten und günstigerem Angebot und dem Netz, wird die Nische für die Kioske kleiner. Unser Reporter Stephan Beuting hat eine  Stichprobe gemacht, wie es bei den Kiosken läuft.

1. Büdchen – bei Mahmoud

Stephan war zuerst bei Mahmoud. Sein Kiosk liegt in der Bonner Altstadt:  Der Bierkühlschrank ist riesig und brummt auffällig laut. Mahmoud muss noch einige Monate Geld ansparen, um ein neues Gerät zu kaufen.

Seit einigen Jahren ist vom Kiosksterben die Rede. Vor fünf Jahren kam Mahmoud aus Syrien nach Deutschland. Vor dreieinhalb Jahren hat er seinen Kiosk in der Bonner Altstadt eröffnet.

Kiosk: Lage gut, Umsatz mittelmäßig

In der gleichen Zeit hat sich der Frankenbadplatz – in Mahmouds Nachbarschaft – zum Szenetreffpunkt entwickelt. Mahmoud macht hier wirklich alles selber. Nur eine Putzfrau beschäftigt er.

Auch trotz guter Lage ist das Kioskgeschäft hart. In den 20 Minuten, in denen Stephan mit Mahmoud spricht, kommt ein Kunde, der eine Flasche Limonade kauft.

2. Büdchen – bei den Peters

Etwa einen Kilometer entfernt hat Stephan dem Café Peters einen Besuch abgestattet. Der Kühlschrank ist ziemlich neu. Seit knapp vierzig Jahren betreiben die Peters schon ihren Kiosk. Ihre wichtigsten Kunden sind die Berufsschüler, die sich hier morgens in den Pausen mit Kaffee und belegten Brötchen versorgen.

"Gut gehen belegte Brötchen und eine Tasse Kaffee zum Mitnehmen, solche Sachen zum Beispiel."
Frau Peters, Betreiberin des Café Peters in Bonn

Um die umsatzschwachen Ferienzeiten zu überbrücken, haben sie nebenbei noch einen Getränkehandel. Noch am Morgen war noch ein ehemaliger Schüler im Laden. Er war vor fast 30 Jahren schon dort und er wollte schauen, ob es ihm immer noch so gut schmeckt. Die Peters sagen, er sei begeistert gewesen.

Kiosk als Treffpunkt

Stephan hat auch mit Sebastian Eck gesprochen. Zusammen mit anderen Marketing- und Öffentlichkeitsarbeitern bewirbt er in diesen Tagen den Kiosk. Am 25. August ist im Ruhrgebiet offizieller Tag der Trinkhalle. Alle Betreiber behaupten der Kiosk mache den Unterschied, was den Kontakt angeht und das Zwischenmenschliche.

Stephan hat sich in einem Kiosk umgesehen – dieser ist geöffnet
© Deutschlandfunk Nova | Stephan Beuting

3. Büdchen - ein Telefonat mit Moritz Hussmann

Stephan fand das etwas konstruiert, bis er mit Moritz Hussmann telefoniert hat. Er ist 33 Jahre alt und betreibt einen Kiosk in Wesel. Er sagt, er arbeite auch viel, will aber, wie die anderen auch, nicht klagen.

"Ich habe das Glück, dass ich einen Standort habe, wo ich innerhalb eineinhalb Kilometer nichts habe, was mir in die Quere kommt: kein großer Einzelhändler oder Edeka, kein Getränkemarkt."
Moritz Hussmann, Kioskbetreiber

Nicht weit von Moritz Hussmanns Trinkhalle stand das Büdchen aus Stephans Jugend, die Trinkhalle Kelm. Die gibt es nicht mehr. Aber Moritz Hussmann zeigt – zum Tag der Trinkhalle –  Fotos der Trinkhalle aus den 80er Jahren aus.

Ein Kunde hat 1987 viele Trinkhallen in Wesel fotografiert. Dann stellt sich heraus, dass Stephan den Fotografen schon seit über zwanzig Jahre kennt. Es ist der Vater von Stephans bestem Freund.

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