Das erste Bier des Abends - und das letzte. Dazu lebensnotwendige Dinge wie die Packung Milch am Sonntag oder Klopapier in der Nacht - was würden wir nur ohne den Kiosk um die Ecke machen?

Für Paristouristen gehören sie unbedingt zum Stadtbild: die dunkelgrünen Kiosk-Pavillons, die an das 19. Jahrhundert erinnern. Weil wir uns aber schon im 21. Jahrhundert befinden, will die Stadt Paris ihre Zeitungskioske modernisieren. Am neuen Design wird noch getüftelt. Der neue Kiosk soll aber mehr Dienstleistungen bieten und komfortabler werden. Zeit auch für uns, einen Blick in die Büdchen, Kioske, Trinkhallen und Spätis der Republik zu werfen.

Es gibt kaum noch ehrliche Eckkneipen und Wurstbuden, da bleibt für viele von uns fast nur noch der Kiosk, wenn wir andere Leute sehen wollen als die, die wir eh immer auf der Arbeit, oder an der Uni sehen. Tagsüber holen sich Kinder eine süße Tüte oder ein Eis. Rentner, Hausfrauen oder Bankdirektoren kaufen Kippen oder eine Zeitung. Andere wollen ein kaltes Bier. Und Kummerkasten ist so ein Büdchen ohnehin.

Die Sache mit dem Krempel

Die Pariser wollen ihre Kioske jetzt aufmotzen, aber was gibt es eigentlich bei uns für Verbesserungspotenzial? Viel Spielraum haben Büdchen nicht. Sie haben in der Regel keine Schankerlaubnis und dürfen Alkohol eigentlich nur verschlossen verkaufen. Auch der direkte Verzehr am Wasserhäuschen oder der Trinkhalle ist streng genommen verboten.

In manchen Städten wird das vom Ordnungsamt kontrolliert, das kann ziemlich happige Geldstrafen zur Folge haben. Sie brauchen also eine Schanklizenz, und ein Klo wäre eigentlich auch nötig. Da scheitert es allerdings meist am Platz und den Kosten.

"Für mich ist der Kiosk einer der letzten Orte, an dem wir gleich sind."
Martin Schütz, DRadio Wissen

Die Berliner Zeitung hat einem Berliner Späti mal genau in die Kasse geschaut. Das Ergebnis: Der Laden hat 60 Quadratmeter Fläche und bietet das komplette Sortiment an: Bier, Süßigkeiten, Lottoscheine, Star-Wars-Sammelkarten, Postkarten, Tickets für den öffentlichen Nahverkehr und natürlich Zeitungen.

Am wenigsten verdient der Kiosk demnach an Produkten, bei denen der Endpreis schon vorgegeben ist: Bei einer Packung Zigaretten bleiben rund 35 Cent beim Kioskbesitzer, bei einer Zeitung 8 Cent - bei einem Verkaufspreis von 70 Cent.

Wer mitrechnen muss, versteht dann auch, warum sich in vielen Kiosken der Krempel bis unters Dach stapelt: Damit können die Besitzer richtigen Reibach machen: Laut Berliner Zeitung bleiben bei einer Postkarte 40 Prozent über. Ungefähr gleich viel verdienen die Betreiber mit Trashgeschenken wie Winkekatzen oder Feuerzeugen.

Bei der Flasche Bier sieht es auch ganz gut aus: 1,10 Euro zahlt ihr am Kiosk. Bleiben ungefähr 35 Cent Roherlös - eine ganz gute Marge.